Fun ist ein Schaumbad
Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian Andersen zum 200. Geburtstag zu ehren?
Kaum. Die Volksbühne hatte vorgewarnt: Die «märchenüblichen pornographischen Elemente» stünden dem unbegleiteten Besuch Minderjähriger unbedingt entgegen.
Und auch der Umstand, dass Castorf das Andersen-Märchen schon im Titel ganz, ganz nah an sich selbst herangezogen hat, ließ kindliche Ausschweifung eher als väterliche Zuwendung vermuten. «Meine Schneekönigin» heißt der Abend zur Weihnachtszeit, und manch biographisches Castorf-Detail wurde eingebaut, wie der sporadische Kirchgänger der Zeitung preisgab: Onkel Paul zum Beispiel, der die Unterhose des kleinen Frank direkt am nackten Hintern glatt bügelte («ich hatte Brandblasen!»), Tante Helga, «ein vollbusiger Liz-Taylor-Typ», die den erkälteten Knaben mit Wick Vaporub einrieb, in Watte packte und mit Bandagen einschnürte – «etwas ...
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Gab man bei Google Anfang 2005 die beiden Suchbegriffe «kindgerecht» und «Theater» ein, dann erhielt man als erstes Suchergebnis einen Gästebucheintrag vom Theater Bautzen mit folgendem Wortlaut: «Am letztem Sonntag besuchten ich und meine beiden Söhne die Familienvorstellung des angeblichen Weihnachtsmärchens ‹Der gestiefelte Kater›. Mit großem Entsetzen musste...
Tamas Ascher aus Budapest ist einer der treuen Tschechow-Regisseure des zeitgenössischen Theaters, manche sagen: der treueste. Seine «Drei Schwestern» am Katona Jozsef Theater (1986) sind legendär, reisten um die Welt und blieben zehn Jahre im Spielplan. 1990 inszenierte er dort «Platonov» und 2004 endlich auch «Ivanov».
Während er bei den «Drei Schwestern» ganz...
Zum ersten Mal begegnete ich Palitzsch bei der ersten Probe zur ersten Aufführung des Berliner Ensembles im Zuschauerraum des Deutschen Theaters in der Schumannstraße.
Wir hatten da eigentlich beide nichts zu suchen. Palitzsch war der Dramaturg des Ensembles, und ich ein junger Schauspieler, der keine Rolle im «Puntila» hatte. Aber da uns keiner wegschickte,...
