Echoraum Auschwitz
Bei der Filmpremiere in Toronto, so war zu lesen, wurde gelacht, als ganz am Ende von «Phönix», Christian Petzolds riskantem Film über das, was nach Auschwitz war, die eintätowierte Häftlingsnummer auf Nellys Arm freiliegt: der Augenblick der Blamage, in der ihr Mann, der sie verriet, endlich erkennen muss, wer vor ihm steht. Eine angemessene Reaktion im Genre-Rahmen, in dem sich der Film bewegt, eine vermutlich mögliche in Toronto, 70 Jahre nach und 6.500 km entfernt vom singulären Schrecken. Eine noch immer undenkbare in Deutschland.
Bei den Pressevorführungen im September in Berlin herrschte tiefes Schweigen.
«Show me your face!», brüllt am Anfang des Films der amerikanische Besatzungssoldat im Juni 1945 durchs Wagenfenster, als Nelly (Nina Hoss) mit verbundenem Gesicht die Sektorengrenze nach Berlin passieren will. Am Steuer sitzt ihre Freundin Lene (Nina Kunzendorf), die für die Jewish Agency arbeitet. Nelly hat Auschwitz überlebt, aber das Gesicht, das der Wachsoldat sehen will, existiert nicht mehr. Es wurde im Lager zerstört, ein Arzt wird es rekonstruieren, mehr oder weniger nah an dem, was dieses Gesicht einer Sängerin einmal war. Wir, die Zuschauer, werden es erst nach ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Magazin: Kino, Seite 76
von Barbara Burckhardt
«Eine Heide. Eine Steppe. Eine Heidesteppe. Oder wo.» Die lokale Verortung ist schwierig, genau wie die zeitliche: «Jetzt. Im Mittelalter. Oder wann.» Erschöpfend werden diese Begriffe in Peter Handkes «Immer noch Sturm» eingekreist, «wo» und «wann», eine Rekonstruktion der eigenen Herkunft mittels Sprache, die eigentlich das Nachspüren eines nationalen...
Truppen wie Hollandia (auf dem Foto der verstorbene Jeroen Willems in «Zwei Stimmen») haben in den 90er Jahren eine versteinerte Theaterstruktur lustvoll durcheinandergewirbelt. Heute steht das holländische Modell vor den Trümmern einer brutalen Sparpolitik. Eine Rede zur Eröffnung des Niederländischen Theatertreffens von Thomas Oberender.
Wie geht es weiter mit...
Schneller reagieren geht nicht: Nur einen Tag nach Ende des «Phone hacking»-Gerichtsverfahrens, das Großbritannien acht Monate in Atem gehalten hatte, verkündete das National Theatre, es habe parallel zum Prozess ein neues Stück geprobt: Richard Beans «Great Britain», inszeniert vom scheidenden NT-Intendanten Nick Hytner, beschäftigt sich mit eben jenem explosiven...
