Der erste, der ging
1998, zum 100. Geburtstag Bertolt Brechts, versammelten sich fünf seiner Schüler in der Akademie der Künste in Berlin, um darüber zu reden, wie sie Brecht und die Weigel kennengelernt hatten. Das Thema hatte Egon Monk vorgeschlagen, er inszenierte und lenkte auch das erstaunlich heitere und erheiternde Gespräch.
Angelika Hurwicz, 1948 die stumme Kattrin in der «Courage» und bald auch Regisseurin im 1949 gegründeten Berliner Ensemble, berichtete, dass sie zum ersten Gespräch mit der Weigel und Brecht in die Reste des alten Hotel Adlon (wo die beiden die ersten Monate wohnten) gegangen sei mit einem Monokel vorm rechten Auge. Sie hatte das von ihrer Lehrerin, der großen Schauspielerin Lucie Höflich, übernommen. Die Weigel, ideologisch eifrig, fragte befremdet, wie denn die Hurwicz sich dieses Abzeichens einer überwundenen Herrenkaste bedienen könne. Angelika Hurwicz erwiderte, sie brauche das Monokel, um ihrer Kurzsichtigkeit beizukommen, welche Entschuldigung Brecht sofort annahm. «Sie braucht es zur Arbeit, Weigel», befand der Meister – und die fünf Schüler amüsierten sich vierzig Jahre später ebenso wie das Publikum über die Anekdote, die die Hurwicz mit spitzbübischem Charme ...
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