Kunst und Reisen
Wanderbühnen haben in der deutschen Kulturhistoriografie irgendwie seit jeher einen ruinierten Ruf. Noch heute wird zum Beispiel auf Wikipedia der Schmäh der Literatur–wissenschaft nachgedichtet, dass sie, statt sich künstlerisch an der Identitätsbildung des Bürgertums zu beteiligen, die Ungebildeten in Stadt und Land mit Unterhaltung versorgten.
Die Tradition, in Deutschland mit Theaterkunst wandern zu gehen, ist im 21. Jahrhundert Teil eines demokratischen Selbstverständnisses, dem Kunst als wichtiger Ort institutio–nalisierter Selbstverständigung gilt.
24 Landesbühnen wandern in Deutschland, und das finde ich gut. Sie werden im Kontext aller Theaterkünste wahrgenommen und in ihrer Spezifik gewürdigt. Das finde ich sehr gut. Immer seltener allerdings werden sie inhaltlich diskutiert. Und das finde ich leider fast besser so, denn der Bestandschutz ist ebenso prekär wie die Lebensverhältnisse der Künstler.
So wird (zuletzt in Th 7/11) den Landesbühnen künstlerische Resignation attestiert und selbst in den Würdigungen die Qualität der Arbeit immer nur als Konzession an ihre Entstehungsbedingungen dargestellt. Aus Furcht um den Bestandsschutz gibt es keine Diskussion über ...
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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Junges Theater, Seite 24
von Marco Süß
Andreas Wilink Die Ruhrtriennale ist ein Festival ohne Krawattenzwang. Besitzen Sie eigentlich eine Krawatte?
Heiner Goebbels Nein, ich habe immer wieder erfolglos Anläufe gemacht – ich glaube, zur Kommunion den ersten, dann noch mal, gelegentlich. Inzwischen besitze ich keine mehr. Aber mit der Metapher verbindet sich wohl die Frage, ob man zur Ruhrtriennale...
Es fühlt sich fast wie ein Wiedersehen an: Über weite Strecken der hundertminütigen Dokumentation «Das Knistern der Zeit» ist Christoph Schlingensief im Bild – dünn, ergraut und von der Krankheit bereits gezeichnet, aber sprudelnd vor Mitteilsamkeit und Tatendrang. Sibylle Dahrendorf hat den Künstler und Regisseur zu seinem Vermächtnis, dem «Operndorf»-Projekt nach...
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