Prosperos Werk­stoffhof

Tübingen, Landestheater, Neckarparkhaus, Deck 7: Shakespeare «Der Sturm»

Theater heute - Logo

Wenn Theater nicht an ihrem angestammten Ort spielen, dann hat das entweder mit Renovierungsarbeiten zu tun oder damit, dass Theatermacher glauben, für ihr Konzept eine andere, theaterfremde Umgebung zu brauchen. Site-specific lautet der schöne englische Fachbegriff für das temporäre Auswandern, das im Sommer gern im Freien ausgelebt wird. Das Landestheater Tübingen (LTT) hat sich dieses Jahr einen besonders postmodernen Ort für sein Sommertheater ausgesucht: das Neckarpark–haus.

Das ist ein hässlicher Betonklotz, immerhin aber mit bester Aussicht auf Stadt und Fluss, und definitiv ein Unort, wie das Programmheft auch gleich bedeutungsschwanger bestätigt. Das Parkhaus als «Ort der Transition» soll zum Stück – Shakespeares «Der Sturm» – passen, schließlich sind darin alle irgendwie auf der Durchreise.

Die Theaterleute haben sich im Parkhaus ganz oben, unter freiem Himmel, eingerichtet. Gleich zu Beginn lässt Simone Sterr, Regisseurin und Intendantin des LTT, mächtig Budenzauber abfahren. Es donnert, kracht, lärmt und leuchtet, als gäbe es kein Morgen. Drei rostige Metallwindräder drehen sich, Motoren dröhnen, Sirenenlärm und Endzeitstimmung. Letztere ist aber schnell wieder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2013
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Kristin Becker

Weitere Beiträge
Hollywood im Hunnenreich

Vor dem eisernen Vorhang andächtig aufgereiht, eröffnen die Burgunder den Abend mit einer eingängigen Melodie. Ohrwurmhaft kehrt der Beginn des mittelalterlichen Nibelungenliedes wieder und wieder: «si wart ein scœne wîp». Bei der Kriemhild nimmt die Bochumer Inszenierung ihren Ausgang. Mit expressiver Körperlichkeit löst sich Jana Schulz alsbald aus der Gruppe und...

Bis zum Anschlag

Was für ein Bühnenbild! David Gonter hat einen engen Guckkasten in das Osnabrücker Theater am Domhof gezwängt, eine Bühne in die Bühne, und diesen Kasten als Erdhöhle eingerichtet, als düsteres Dreckloch, das wiederum durchlöchert ist, am Boden und an den Seiten, so dass die Darsteller rein- und rauschlüpfen können. Die Bühne schreit: Dieser Abend wird skurril. Und...

Illusion als Überlebenschance

Denn schnell und spurlos geht des Mimen Kunst» – den Klang der Stimme, die diese Worte sagte, habe ich noch im Ohr, es war wie eine Urteilsverkündung, jedoch ohne Revision – «dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze …». Und doch wandelte sich die apodiktische Haltung in eine Verheißung: «Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.»

Walter Schmidinger sprach...