Der gewöhnliche Faschismus

Wer Russland verstehen will, muss Putin als Symptom sehen und nicht als Ursache. Ein Brief aus Moskau

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Liebe Redaktion,
Sie wollen wissen, wie es in Russland um die Zensur steht, und in wie weit Theater und andere Künste darunter leiden. Wenn ich Ihre Frage mit einem Satz beantworten könnte, würde ich sagen: Die Sache ist paradox. Einem Außenstehenden ist es fast unmöglich, sich in den Spinnwebfäden unseres politischen Lebens zurechtzufinden und insbesondere die schwierigen byzantinischen Beziehungen der herrschenden Behörden zu den Vertretern der künstlerischen Eliten zu ver­steh­en. Der westliche Verstand versucht unwillkürlich, alles in bekannte Schubladen zu packen.

Das heutige Russland passt aber in keine dieser Schubladen. Die Regeln des Gemeinwesens sind weder die einer reinen Diktatur noch die einer westlichen Demokratie. Es handelt sich weder um Totalitarismus noch Fundamentalismus noch um eine «offene Gesellschaft» nach Karl Popper. Es ist das eine und das andere und auch alles zugleich.

Das Land gleicht einer Patchworkdecke. In einem dieser Flicken oder Segmente kann man feststellen, dass das Level der Freiheit in Russland von dem in Holland oder Deutschland nicht zu unterscheiden ist. In einem anderen gleicht Russland einem Polizeistaat, ähnlich dem Lukaschenkowschen ...

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Theater heute November 2012
Rubrik: Ausland, Seite 6
von Marina Davydova

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