Unser aller Wolfen

Fritz Kater «HEAVEN (zu tristan)»

Theater heute - Logo

MAN KANN EINEM MENSCHEN NICHT VON MORGENS BIS ABENDS SAGEN WIE ENTTÄUSCHT MAN VON IHM IST DAS HÄLT KEINER AUS.» Das gilt für Menschen wie für ganze Landstriche, den östlichen Teil Deutschlands zumal. Wo dauernd von Scheitern die Rede ist, wird das Ringen um Würde und Selbstbehauptung zur Existenzfrage. Fritz Kater, seit geraumer Zeit der erste Chronist des Nachwendeempfindens auf dem deutschen Theater, hat mit «HEAVEN (zu tristan)» diesem Ringen neuerlich ein Medium geschaffen.

Wobei – wie die Frankfurter Uraufführung zeigte (TH 10/07) – es dem Theater obliegt, die humane Stärke herauszupräparieren aus jenem bedrückenden Liebes- und Todesreigen, den das Stück diskurslastig und mythologisch unterfüttert (Tristan!) präsentiert.

Rostock ist sicher keine stagnierende Stadt wie der Ex-Chemiestandort Wolfen, der Schauplatz des Stückes. Und doch kommt die Aufführung hier wenige Tage nach der Frankfurter Premiere überaus passend. Mitten hinein in einen Sparbeschluss, mit dem die Rostocker Bürgerschaft das traditionsreiche Volkstheater auf etwa die Hälfte seines Etats niederschrumpft. Es kommt als Relevanzversprechen, mit dem sich das in letzter Zeit stark auf Boulevardeskes vertrauende Haus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2007
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Christian Rakow

Vergriffen
Weitere Beiträge
Coup de foudre

Vierte Vorstellung. In der Gaußstraße tummeln sich zwei Hundertschaften blondschwänziger Sechzehnjähriger mit reichlich Kajal ums Auge und hiphopbehosten Mitschülern an der Seite und kichern verzückt, wenn Romeo das Hemd fallen lässt und den wohlgeformten Oberkörper zur Besichtigung freigibt. Schon im Foyer wird ordentlich auf die Pauke gehauen. Wir sind geladen...

Nah an den Nerven

Die Gestalt, die da mit dem Rücken zum Publikum an der Brandmauer steht, während die anderen sich auf der Bühne formieren und wie aus einer Probensituation heraus auch schon zu reden beginnen, ist die spannungsvollste von allen. Obwohl man ihr Gesicht noch lange nicht sehen wird, begreift man sofort: Die Frau, die mit unruhigem Kreidestrich irgendwelche...

Voll heutig, mit Bedeutungsformel

In diesem «Ödipus» geht ein gezackter, mit Glas oder Plexiglas bedeckter Graben durch den Zuschauerraum (Bühne Karl-Ernst Herrmann). Wie ein Blitz des Zeus! Ob der tatsächlich mit Licht gefüllt wird? Oder Blut? 

Die Zuschauerrampe ist schwarz und steil abfallend, die Bühne steht auf einem Metall­gerüst, das wiederum im Wasser steht, und ist schwarz und steil...