Herzschlag der Szene
Am Vorabend seines Todes habe ich ihn zwischen vielen Menschen auf einer Premierenfeier getroffen und in sein durchwachtes Gesicht geschaut. Er fragte, was der Sinn des Lebens sei. «Wir brauchen Dich, Laurent!» – «Ist das der Sinn des Lebens, dass man gebraucht wird?», war seine Antwort. Je t'ai besoin – diesen Satz hat er selber einmal vertont, für den zweiten Teil der «Orestie»: Elektra am Grab ihres Vaters, 2002 an den Münchner Kammerspielen. So holt das Leben die Kunst ein.
«Gebraucht» hat Andreas Kriegenburg vor 14 Jahren bei seiner Inszenierung «Kasimir und Karoline» einen Musiker und zum ersten Mal von einem gewissen Laurent Simonetti gehört. Da hatte dieser eigentlich schon entschieden, sich zum Reisekaufmann umschulen zu lassen und den Musikerberuf an den Nagel zu hängen. Doch Kriegenburg lernte ihn kennen und überredete ihn, zum Theater zurückzukehren, das seitdem seine zweite Familie wurde.
Wochenlang saß Laurent Simonetti auf Proben, hat genau zugehört und hingeschaut und mit seinen Akkordeontönen die Schauspieler zum Spielen animiert. Wenn ihm etwas fremd oder unverständlich blieb, fragte er fast kindlich genau nach dem Sinn eines Satzes oder gar einer Szene. ...
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Allen Unkenrufen zum Trotz hängen keine Kokainpäckchen an den Zweigen des Waldes von Birnam, als der sich – Jürgen Gosch hat es in ein ebenso einfaches wie sinnfälliges Bild gefasst – auf das Schloss des finsteren Macbeth zubewegt. Was nicht heißt, dass Kolumbien das Drogen- und das Gewaltproblem bereits unter Kontrolle hätte, aber sagen wir es so: Man arbeitet...
Der Mensch ist frei, und weil er frei ist, kann er so tun, als sei er unfrei. Iwanow kann tun, was er will, und weil er das weiß, kann er nichts tun. Die Hauptfigur von Tschechows erstem abendfüllenden Stück könnte uns zeigen, wie weit es kommen kann mit uns, den allzu gründlich über sich selbst aufgeklärten Menschen. Amélie Niermeyers Inszenierung versucht das...
Das Publikum zu beiden Seiten des schmalen schwarz glänzenden Steges, meist einander ins Gesicht schauend, manchmal vom glitzernden Glasperlenvorhang getrennt, jubelt. Claudia Bauer muss etwas von dem Lebensgefühl dieser Generation getroffen haben, die sich mit Büchner zumindest in der schönen Sequenz einig weiß: Wer arbeitet, ist ein subtiler Selbstmörder. Allzu...
