Kunstaktivismus: Die Würde der Ungefragten
Die Titelseite der «taz» vom 21.6.2015 zeigte ein Foto, das (angeblich) in einem Krankenhaus im sizilianischen Augusta aufgenommen worden war. Es zeigte eine Art Andachtsraum, in dem ein riesiger geöffneter Kühlschrank stand, darin gestapelt Müllsäcke, die augenscheinlich Tote enthielten. Auf dem Steinboden darunter war ein großer brauner Fleck zu sehen, offenbar ein See aus eingetrocknetem Blut.
Dieses in seiner Lapidarität äußerst dramatische Foto hatte ein (namentlich nicht genannter) Mitarbeiter des Zentrums für Politische Schönheit bei einer Recherchereise aufgenommen, auf der ihm ein Bestatter die Leichenkammer gezeigt hatte. Der «taz»-Journalist Christian Jakob recherchierte seinerseits dem Bild hinterher und zeichnete in seiner anschließenden Reportage nach, wie überfordert die italienischen Inselkommunen im Umgang mit gestrandeten und von der Küstenwache auf See aufgegriffenen Geflüchteten sind, mit den Lebenden wie auch den Toten, die in der Regel namenlos auf den umliegenden Friedhöfen bestattet werden müssen. Die 17 Afrikaner, deren Leichen in der sizilianischen Kühlkammer offenbar weitaus länger als offiziell vorgesehen ihrer unwahrscheinlichen Identifizierung harrten, ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Eva Behrendt
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