Im Auge des Verrats
Eine Frau, ein Mann und ein Auto. Eine Spazierfahrt? Oder eine Fahrstunde? Wie stehen die beiden zueinander? Orte und Begebenheiten am Straßenrand konfrontieren sie mit teils verdrängten Erinnerungen. Die Fahrt führt zunächst durch eine Stadt, an Orte, die sich in den Biografien der beiden mit Bedeutung aufgeladen haben. Schöne und schmerzliche, traumatische und verdrängte. Der erste Weg führt zu einer Grundschule, in die die Frau ging – daneben eine psychiatrische Praxis. Dort versuchte vor langer Zeit ihr Vater, die Schmerzen seiner Vergangenheit zu lindern.
Welche Dämonen verfolgten den Vater?
Im Radio laufen Berichte, Interviews, Musik und fließen mit der Gedankenwelt der beiden Insassen des Autos zusammen, kontrastieren oder beflügeln deren Fantasien. Immer mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Imagination.
Das Auto scheint seine große Zeit hinter sich zu haben: Der Verbrennungsmotor gilt als nicht mehr zeitgemäß, die Entwicklung selbstfahrender Autos stellt das Konzept des Individualverkehrs grundsätzlich in Frage. Das Auto taugt nicht mehr zum Symbol sozialen Prestiges, jedenfalls nicht mehr in dem Maße wie in der zweiten Hälfte ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 171
von Tobias Schuster
Seit Anfang des Jahres gibt es in Großbritannien ein neues Ministerium: «Ministry for Loneliness». Dies ist keineswegs eine literarische Erfindung, wie das «Ministerium für Wahrheit» in George Orwells «1984», sondern eine real existierende Behörde. Mitsamt einer zuständigen Ministerin, die sich außer um die Bekämpfung der sich epidemisch ausbreitenden Einsamkeit...
Die Dystopie hat die Bühne erobert – als Wiederauflage der Klassiker des Genres, aber auch als aktuelle Fantasie vieler Autor*innen. Zukunftsszenarien werden durchgespielt, deren Verheißungen zumeist dunkel sind. Z.B. wenn es darum geht, wie lange der Vorrat an Luft, Licht, Wasser und Nahrung denn noch reichen wird. Und für wie viele? Reden wir also über...
Donald Trump, der in Elfriede Jelineks «Am Königsweg» namentlich nicht genannt wird und um den sich doch das ganze Stück dreht, hat in dieser Saison viele Theatermacher, Zuschauer und Kritiker in Atem gehalten. Vielleicht deshalb haben sie ihn und sich in «Am Königsweg» wiedergefunden und den Text mit 9 Stimmen zum Stück des Jahres gewählt – vor Ewald Palmetshofers...
