Dorfdämmerung

Martin Kusej treibt Martin Sperrs «Jagdszenen aus Niederbayern» an den Münchner Kammerspielen zu neuen Gipfeln der Gemeinheit, während das Kollektiv Wunderbaum im Werkraum beinahe die Welt rettet

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Manchmal fängt das Leben mit dem Höhepunkt an, man weiß es nur nicht. Wie drei Einschläge, trocken, hart und zielgenau, treffen die Stücke «Jagdszenen aus Niederbayern», «Landshuter Erzählungen» und «Münchner Freiheit», die ein junger Schauspieler aus Marklkofen, Landkreis Dinfolfing-Landau, zwischen 1966 und 1970 aus sich herausschleudert, in die aufbruchsbereite deutsche Theaterlandschaft.

Mit gerade mal 21 wird Martin Sperr über Nacht zum gefragten Vertreter eines neuen kritischen Volksstücks in der Nachfolge von Brecht, Horváth und Marieluise Fleißer und Hausautor an den Münchner Kammerspielen. Fünf Jahre später ist diese dramatische Karriere schon wieder vorbei. Anfang 1972 platzen ihm beim Reifenwechsel auf der Landstraße zwei Adern im Hirn, ein physischer Knockout, den er zwar knapp überlebt, aber Gedächtnis und Schreibkraft bleiben auf der Strecke.

Jetzt hat sich Residenztheaterdirektor Martin Kusej für seine Gegen-Gastregie an den Münchner Kammerspielen – deren Intendant Johan Simons inszenierte bereits letzte Spielzeit im Rahmen eines freundschaftlichen Regieaustauschs Jelineks «FaustIn and out» im Marstall – die «Jagdszenen», das erste und stärkste Stück aus Sperrs ...

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Theater heute April 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Silvia Stammen

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