Im Schillerland
Ohne Schiller geht in Rudolstadt gar nichts. Abbruchreife Häuser haben «schillernde Fassaden»: Da hocken in alten Fenstern die Schatten der Dramenfiguren und typografisch wird das bröckelnde Gemäuer mit Zeilen aus der «Bürgschaft» oder dem «Wallenstein» aufgepeppt, als könnte die Dichtung hier die Wahrheit des Zerfalls aufhalten. An jeder zweiten Ecke lockt auf einem Wegweiser Schillers Lockenkopf zum Wanderpfad durch die thüringische Umgebung und auf die Spuren des Dichters, der einst hier lief, schrieb und liebte.
Man kann sich einem «Liebesbriefboten» anschließen, der alles über die Affären Schillers ausplappert; man kann auf die «Schillerhöhe» steigen und hinunterschauen in die liebliche Landschaft oder am Marktplatz rasten und hinaufschauen zur Heidecksburg, dem «weißen, großen Schloss auf dem Berge». Man kann Schiller rundum zustimmen, ihm, der auf der Flucht aus Stuttgart hier in dieser fremden Gegend ankam und sie «außerordentlich schön» fand.
Die Rudolstädter sind deshalb stolz auf «ihren» Dichter, wenngleich der nur kurz bei ihnen weilte. Als er wieder ging, 1788, schrieb er: «Mein Abzug aus Rudolstadt ist mir in der That schwer geworden ... Bei einem geistvollen Umgang, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Bühne ist ein Blendax-weißer Kasten, nach hinten flachstufig ansteigend: Sieht super aus, erst recht im Kontrast zum altgolden Neurokoko des Saals. Und, um es gleich zu sagen, der aseptische Leer-Raum von Johannes Schütz ist das Beste an der Peymann-Inszenierung «Freedom and Democracy I hate you» von Mark Ravenhill im Berliner Ensemble.
Der jugendkultig...
Wer am Staatsschauspiel Dresden den «Turm» uraufführen will, begibt sich in harte Konkurrenz. Uwe Tellkamps Tausendseiter aus dem Ärzte-, Lektoren- und Hausmusikanten-Milieu der 1980er Jahre, das sich in bester Dresdner Elbhanglage vor den diktatorischen Zumutungen des Proletariats verschanzt, hat längst gewaltige performative Energien entfesselt: Seit die...
Bernd NoackHerr Kusenberg, wir stehen hier in einem lichten Foyer, das über drei Stockwerke geht – wahrhaft großstädtische Ausmaße. Alles ist hell, weitläufig, einladend: kein Vergleich zum Muff von früher...
Klaus KusenbergJa, da stolperte man durch Pfützen, bevor man überhaupt ans Schauspielhaus kam, das wiederum schlecht beleuchtet war, man fand es kaum. Und man...
