Wenn die Heimat Nerven zeigt

Thomas Arzt kommt aus einer spielwütigen Gegend. Das bleibt nicht ohne Folgen. Ein Porträt des Stückeschreibers und die Uraufführung von «Grillenparz» in Wien. Der Stückabdruck liegt der Juni-Ausgabe von «Theater heute» bei.

Theater heute - Logo

Oberösterreich wird leicht unterschätzt. Die landschaftlich angenehm unspektakuläre Gegend windet sich wald- und wiesenreich zwischen Donau und Alpen. Die Ortschaften sortieren sich um Kirche und Wirtshaus, dazwischen ein paar Neubaugebiete, und beides zwingt eher zu gemäßigtem Tempo. Kaum ist man aus der einen Ortschaft draußen und hat gerade hochgeschaltet, bremst wieder die nächste Ortseinfahrt. Ungeduldigere Naturen haben dort schon deshalb wenig Chancen, weil sie recht bald aus irgendeiner verführerischen Kurve fliegen.

Was die Leute dort den lieben langen Tag so treiben, wissen nur die Einheimischen. Aber wie in jeder idyllischen Natur muss dort eine beflügelnde Langeweile herrschen, sozusagen reinste Kulturlandschaft.

Zum Beispiel Schlierbach an der Krems, 3000 Einwohner, die Heimat von Thomas Arzt. 40 Minuten südlich von Linz gelegen, eine weitere halbe Stunde alpenwärts fangen die ersten Dreitausender an. Die größte Erhebung am Ort heißt Grillenparz, weder verwandt noch verschwägert mit dem ähnlichnamigen Dichter, rund 800 Meter hoch und ein «pummeliger Klotz», den die Einheimischen «Grüüübaaaz» nennen. Was nicht besonders schmeichelhaft klingt, vor allem wenn man weiß, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2011
Rubrik: Stückabdruck, Seite 42
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Nichts ist wunderbar

Der Holländer Johan Simons setzt in seiner ersten Intendanten-Spielzeit an den Münchner Kammerspielen deutliche Signale: So bayerisch ging es hier schon lange nicht mehr zu, mit Ivo van Hoves «Ludwig»-Spektakel, einem Feuchtwanger-«Erfolg»-Lesemarathon und zuletzt einem Premierenwochenende, das sich tief ins Nächtliche der Bayern-Hauptstadt wagte: in die dunkle...

Mutterland aller Migration

Wer «Türkei» sagt, denkt inzwischen zwangsläufig an den Mitbürger mit Migrationshintergrund. Das war auch jetzt so, da der Heidelberger Stückemarkt nicht nur das bislang spannendste Gastland vorstellen, sondern begleitend dazu auch auf eine große Zahl deutscher Produktionen aus deutschen Landen zurückgreifen konnte, die sich dem Thema «Integration» widmen. Das...

Aufbau West

Man kann sich das so vorstellen: In der Nacht von Sonntag auf Montag wird es eng auf
der A5. Baukolonnen aus dem Osten reisen an, um in der Frankfurter City die Patrizierhäuser wohlhabender Bürger zu sanieren. Ricki, Uli und Rudi zum Beispiel sollen die immobile Erbschaft eines jungen Wessis auf Vordermann bringen. Im Moment allerdings geht es nicht so recht voran....