Tiefe, Stärke, Zartheit
Mit Mitte 30 hat Mary Page Marlowe viel erduldet und nichts erreicht in ihrem Leben. Sie sitzt auf einer Bank, ein Therapeut durchlöchert ihre Ich-Blockade mit Existenzfragen, auf die sie keine Antwort kennt. Bis sich Marys stahlblaue Augen weiten. Und dann sagt sie, dass sie sich noch niemals für etwas wirklich entschieden habe. Eine namenlose Sehnsucht liegt frei in Marys Gesicht. Wenn sie ehrlich in sich hineinhorcht, ist das Echo ein ratloses Schweigen. Man kann diesem Verstummen als Publikum regelrecht zuhören.
Franziska Hackl, eine von fünf Marys im neuen Stück von Tracy Letts, dehnt das Schweigen entschlossen aus, bis an die Schmerzgrenze. Dort gehört es auch hin. Und Franziska Hackl übernimmt hier die Verantwortung für einen der kostbaren Momente in der abgelaufenen Saison am Theater Basel. Selten war einem die Ausweglosigkeit einer Figur so nahe.
Mit Mitte 30 hat Franziska Hackl viel gespielt und viel erreicht in ihrem Beruf. Schon in ihrem ersten Engagement, sie war ab 2006 für zwei Jahre am Staatstheater Mainz von Matthias Fontheim, verkörperte sie junge Heldinnen und Antiheldinnen. Traumrollen, durchaus. Die Johanna von Orléans. Die Sonja aus «Onkel Wanja». Dabei war ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Akteure, Seite 42
von Stephan Reuter
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