Krümel Mensch
Eine Woche lang trafen sich im Februar 1945 die drei Siegermächte, vertreten durch Roosevelt, Churchill und Stalin, im idyllischen Badeort Jalta an der Krim und teilten die Nachkriegswelt unter sich auf. Nebenbei beschlossen sie noch einen Angriffskrieg auf Japan sowie die Bombardierung Dresdens.
Mag es am Schwarzen Meer noch so sonnig gewesen sein, im Düsseldorfer Schauspielhaus ist alles staatsmännisch stahlgrau.
In stalinistische Höhen erstrecken sich Wände, Vorhänge, Kamine im ehrfurchtsgebietenden Bühnenbild (Bente Lykke Møller): Was ist schon ein Krümel Mensch im überdimensionierten Staatsauftrag? Hier treffen allerdings drei zusammen, die größer sein wollen. Dass es drei Frauen sind, gibt dem letzten von Ex-Intendant Staffan Valdemar Holm inszenierten Abend von Anfang an ironischen Charme. In grauen Edelkostümen, Hochsteckfrisuren und Pumps werden hier drei Damen zu den so selbstgefällig und präsidial aufgeblasenen Weltenherrschern.
«Jalta. Komödie» hat der schwedische Autor Lucas Svensson die 77-seitige Auftragsarbeit für Düsseldorf genannt, die zwar auf Protokollen basiert, aber an entscheidenden Stellen frei fantasiert. Und es ist tatsächlich komisch, wie sich die drei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2013
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Dorothea Marcus
Der deutsche Märchenwald ist ein tückisches Biotop; vor allem kommt darin immer alles anders, als man erwartet. In Wilhelm Hauffs «Wirtshaus im Spessart» zum Beispiel, einer Schlingpflanze von Rahmenerzählung, sitzen ein paar schlotternde Gestalten bis nachts um zwei in einer Schänke und erzählen sich aus Angst vor einem Räuberüberfall Geschichten, damit sie nicht...
In der Nacht zum fünfzehnten August, etwa ein Monat vor seinem Tod, erzählte mir Otto Sander im Traum, daß sein erster Auftritt in der darstellenden Kunst bereits 1941, kurz nach seiner Geburt, stattgefunden habe. An der Seite des damals berühmten Paul Kemp sei er in den Anfangssequenzen eines Ufastreifens das schreiende Baby, ein Findelkind, gewesen, das den...
Hell wird es nie auf Helsingör. Ein feiner Sprühregen senkt sich pausenlos auf das von unten bestrahlte kahle Gestrüpp, das den Herrschaftssitz des Hamlet-Clans einschließt wie die Dornenhecke das Dornröschen-Schloss. Wer den Palast Richtung Garten verlassen will, watet sogleich bis zum Knöchel im Schlamm. Wie in der dänischen Krimiserie «Forbrydelsen»...
