Polizeiliche Dramaturgie: Peter Weiss' «Viet Nam Diskurs», inszeniert an den Münchner Kammerspielen von Peter Stein, abgesetzt von August Everding; Foto: Hildegard Steinmetz/Theater heute Archiv

Polizeiliche und Politische Dramaturgie

Während sich der klassische Dramaturg im Theater behaupten muss, wird Dramaturgie international derzeit als Hot Topic gehandelt und ihr zwiespältiges Erbe offen gelegt

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Der Dramaturg ist ein armer Tropf. Glaubt man seinen Worten, hat er alles schon gesehen, alles schon gemacht im Theater. Er ist ein wandelndes Theaterlexikon. Aber er ist fertig mit dem Theater. Nun soll «Der Philosoph», eine Koryphäe, von dessen persönlichem und institutionellem Hintergrund uns nichts Genaues bekannt ist, die alte Institution neu beleben. Eine Schauspielerin hat ihn angeschleppt.

Ein kleines Trüppchen von Theaterleuten hat sich mit ihm zum Gespräch bei Wein auf der noch angeheizten Bühne des Theaters nach der Vorstellung getroffen und lässt sich nun vier Nächte lang coachen. Ausgang ungewiss.

«Der Messingkauf», das Denkmal für den unbekannten Dramaturgen, das Bertolt Brecht der Weltliteratur vermacht hat, blieb unvollendet. Es ist ein Meisterwerk dramaturgischer Arbeit, auch wenn der Fachvertreter darin eher eine traurige Figur macht, bloßer Stichwortgeber und Sparringspartner des Denkenden ist, den am Theater nicht mehr interessiert, als den Wertstoffhändler an einer Tuba, eben das Messing, das «Theatergold». Es ist ein Text, der, wenn schon nicht den «Dramaturgen», so doch Dramaturgie, diese sonst hinter der Bühne bleibende Abteilung, in actu so vorführt, wie ...

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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Dramaturgie, Seite 47
von Nikolaus Müller-Schöll

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