Ökonomie und Ästhetik oder Eine deutsche Eselei
Seit mindestens 20 Jahren werden die Zuschüsse der Theater seitens der Kommunen gekürzt. Die beiden zentralen Folterinstrumente sind fehlender oder mangelhafter Ausgleich von Tariferhöhungen und fehlender Inflationsausgleich. Für die Träger haben diese Maßnahmen den Charme, dass sie oft unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle bleiben. Hinzu kommt die empörende Unsitte, dass die Kommunen und Länder als Arbeitgeber Tariferhöhungen zustimmen, ohne sie bezahlen zu müssen.
Aber es gibt auch Maßnahmen oberhalb der Wahrnehmungsschwelle: Theaterschließungen, Fusionen, Spartenschließungen, rabiate Kürzungen in Millionenhöhe etc. Und wenn wieder einmal ein Intendant entnervt hinschmeißt, steht – Theater ist auch ein Markt – schnell ein anderer bereit, der im Tal der Tränen neuen Optimismus verbreitet. Er tauscht das alte Ensemble gegen ein jüngeres, kleineres und preiswerteres aus und verheißt in der Euphorie seines Neubeginns eine glückliche Zukunft.
Die Krise der Kommunen
Man kennt solche Entwicklungen auch aus anderen Branchen, sobald sie in die Krise geraten: Mal ist es die Automobilindustrie, mal die Solarbranche. In letzter Zeit sind es vor allem die Printmedien: ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Freiraum Theater!, Seite 29
von Joachim Lux
Was haben die Schauspielerin, der Schauspieler und der Nachwuchsschauspieler des Jahres gemeinsam? Was verbindet Sandra Hüller, Steven Scharf und Risto Kübar? – Sie sind alle von den Münchner Kammerspielen. So ein Zufall. Aber vielleicht auch nicht
Jedem der Stücke von Elfriede Jelinek geht ein fassbarer Schreibanlass voraus. Das ist nicht erst offenkundig, seit sie diesen das eine oder andere Mal auch einfach drüber schreibt und Sekundärdramen verfasst wie «Abraumhalde» (zu Lessings «Nathan der Weise»), «FaustIn and Out» (zu Goethes «Faust») oder «Rein Gold» (zu Wagners «Ring des Nibelungen»). Meist aber...
Es war ’ne doofe Idee. So ’ne typische Journalisten-Idee. Jetzt stapft Sandra Hüller mit energischen Schritten, die Silhouette schwankt leicht von links nach rechts, auf den Max-Joseph-Platz zu. Da, wo die Münchner Maximilianstraße ihren Anfang nimmt. Die weltberühmte Modemeile.
Wir sind zum Bummeln verabredet. Und zum Reden. Bummeln – natürlich ein Witz. Es ist...
