Galionsfigur der Krise
Wie wäre es, könnte man an dieser Stelle nicht nur von Plänen erzählen, sondern wüsste schon, wie das Stück und seine Inszenierung würden? Wäre das wünschenswert? All die kühnen Ideen, Hoffnungen und Projekte blühen doch am buntesten in der Vorstellung. Es ist die Lust am Risiko und, allen Einwänden zum Trotz, der Wunsch, das Theater, die Kunst einmal mehr auf die Probe zu stellen, die Theaterleute antreibt. Also rufen wir uns beherzt «toi toi toi» zu, bannen den Belzebub, und wissen doch, es bleibt, wie es immer war: Alles wird anders als (aus)gedacht.
In Zeiten wie unseren, in denen der Begriff «Krise» zum geflügelten Wort geworden ist, tritt sehr rasch die Figur der Kassandra auf den Plan. Jedermann ergeht sich in neuen Hiobsbotschaften, Schwarzsehen hat Konjunktur. Aber all das hat mit Kassandra und ihren legendären Zwischenrufen wenig zu tun. Es geht um die Botschaft, nicht um die Person, die sie verkündet.
Kevin Rittberger schreibt auf Anregung unserer Hausregisseurin Felicitas Brucker ein neues Stück für das Schauspielhaus Wien. Kassandra wird im Mittelpunkt stehen und ebenso die Frage: Wie begegnen wir ihr heute, oder besser: Wie sieht es heute aus, wie ...
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Der gegenwärtige Stand: ein Konvolut von über dreihundert eng beschriebenen Seiten –
Gesprächsprotokolle, Einblicke in Lebensläufe, mitgebracht von einer mehrwöchigen Forschungsreise in den Alltag rund um eine innerstädtische – nein: randstädtische – Brachfläche, deren Bebauungspläne zu heftigen Auseinandersetzungen führten. Die Aufregung geriet so groß, dass ...
Die höchst produktive Schizophrenie des Andreas Kriegenburg ist jetzt schon neun Jahre alt. Sie brach im Jahr 2000 aus. Da sollte er am Wiener Burgtheater «Dantons Tod» inszenieren, kombiniert mit Heiner Müllers «Auftrag», ein Revolutions-Spektakel, und war sich plötzlich vollkommen sicher, wie die Bühne dazu auszusehen hatte: Drei Wände, die nach einem Vorspiel...
Ich habe nie zu den Schauspielern gehört, die auf der Bühne weinen können. Schon auf der Schauspielschule hat uns diese Fähigkeit knallhart in zwei Klassen eingeteilt: in die schauspielerische Oberschicht, den Adel, wenn nicht sogar den hochtalentierten, heulenden Hochadel, die, denen echte Tränen übers Gesicht rinnen, und in die anderen: das Fußvolk, das...
