Archäologie des Gefühls
Bevor es ernst wird – und ich Ihnen einige unordentliche Gedanken vortrage –, beginnen wir scheinbar heiter. Sie kennen das Aperçu von Oscar Wilde: «Alle Frauen werden wie ihre Mütter, das ist ihre Tragödie. Kein Mann wird wie seine Mutter, das ist seine Tragödie.»
Es gibt kaum eine intimere Situation, mir fällt nur noch eine andere Zweisamkeit ein, als die zwischen Mutter und Sohn. Wobei auch die andere, die zwischen Liebendem und Geliebtem, in der 25-minütigen Episode von Rainer Werner Fassbinders Beitrag zu «Deutschland im Herbst» enthalten ist.
Fassbinder erzählt das Privateste, inszeniert in seiner Wohnung in München. Ein verbaler Kampf mit seiner Mutter Lilo Pempeit, die von ihrem Sohn sagte, er sei, kaum habe er sprechen können, eine einzige Herausforderung gewesen. Es ist die bleierne Zeit 1977 nach der Schleyer-Entführung durch die RAF und deren tödliche Folgen. Auch Fassbinder – fahrig, gereizt, schlecht drauf, ein Nervenbündel – fürchtet als sogenannter Sympathisant die nicht minder gereizte Staatsautorität. Das Politische dringt durch jede Pore.
In der Diskussion mit seiner Mutter über die freiheitliche Ordnung und die Entkräftung des Rechtsstaats vertritt er die ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Akteure, Seite 44
von Andreas Wilink
Ungefähr zur Pause ist dann die Luft raus. Aus der mittelgroßen Hüpfburg, die einen Gutteil der Bühne im Kleinen Haus des Bremer Theaters einnimmt und nach 90 Minuten leise zischend in sich zusammensackt. Aber auch aus Anne Sophie Domenz’ Uraufführung von Thomas Melles «3000 Euro», die bis zu diesem Punkt einen ganz eigenen Blick auf die Vorlage hat und dann ein...
Für meine Mutter Andrea Haidle, die uns beschützte,
und für jede Mutter, die diejenigen, die sie liebt, beschützt (also alle).
Personen
(in der Reihenfolge ihres Auftretens)
Rebecca, Ende 40, sieht aber jünger aus. Hausfrau.
Rachel, ihre Tochter. 17.
Gary, Rachels Abschlussball-Date. Ein netter Typ.
Gladys, Rebeccas Nachbarin und beste Freundin.
Mr....
480 Euro, ein Fünftel ihres Gehalts, hätten diese schwindelerregend hohen und doch so schmerzhaften Schuhe gekostet, seufzt Apothekengehilfin Andrea in «Bella Figura», Yasmina Rezas Auftragsstück für die Berliner Schaubühne. Dort wird sie von der ohnehin eleganten Nina Hoss gespielt, der Florence von Gerkan eine cremefarbene Seidenhemdbluse und einen sexy...
