Abstieg einer Generation
Eine Scheinhochzeit. Das ist ein Anlass, bei dem der Prosecco in der Regel wärmer ist als die Stimmung. Zwei Menschen küssen sich, nicht aus Liebe, sondern weil sie sich voneinander Sicherheit versprechen.
Tilman und Sveta sind in der Straßenbahn aufeinander gestoßen. Ein einsamer Ex-Langzeitstudent und eine heimatlose Weißrussin, die bei Rebecca Klingenberg ständig Worte verschluckt, so sehr hetzt sie dem Glück hinterher.
Tilman (Mathias Lodd) hat mitten in der Krise seinen ersten Job hingeschmissen – und das, obwohl er in seiner Jugend brav auf Helmut Kohl und auf den Segen der Informatik gesetzt hat. Doch er erträgt es nicht, dass seine Zukunft auf dem Prüfstand der Chefin steht: «Plötzlich wurde mir völlig unklar, warum ich 70 Stunden und mehr die Woche diesen Job machte, meine Lebenszeit in die Optimierung einer Fahrkartenautomaten-Software steckte.» Also taucht er in prekäre Verhältnisse ab, stellt sich mit zwei Hunden und Burger-King-Becher vor den Supermarkt und bettelt um Futter. Paul Brodowskys Komödie «Lüg mir in mein Gesicht» erzählt von Menschen, die sich an den Rand der Mittelschicht klammern. Der 30-jährige Autor wohnt seit letztem Sommer in Freiburg; er hat eine ...
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Der Kassandra-Spruch war noch im April gefallen. Hortensia Völckers, die Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, hatte ihn auf der Pressekonferenz zum Berliner Theatertreffen auf die Frage nach der (nicht zuletzt finanziellen) Zukunft des Festivals verkündet: «Der Faden ist gerissen.» Wer noch rätselte, ob die Verbindung zwischen Theater und Gesellschaft im...
Kleine Brötchen sind nicht das Ding von Rafael Spregelburd: In seiner «Heptalogie nach Hieronymus Bosch» handelte der argentinische Ironiker die sieben Todsünden in zeitgemäßen Varianten ab («Die Dummheit», «Die Gier», «Die Panik» etc.). Sein jüngstes Stück, in seiner ersten Regiearbeit an einem deutschen Theater nun erstaufgeführt, heißt schlicht und umgreifend...
Der Titel der fünften Wiener Pollesch-Arbeit klingt gut, hat mit dem Stück aber weder inhaltlich noch formal etwas zu tun. «Peking Opel» handelt nicht von der Krise bei General Motors, sondern von der Krise des Dramas, und Pollesch bedient sich dafür nicht etwa altehrwürdiger asiatischer Theaterformen, sondern greift abermals auf den Hollywood-Fundus und aktuelle...
