Umarmung für den Apparat
Einige von uns waren an diesem Abend in Stuttgart. Einige von uns haben gelacht, gegrübelt, geklatscht. Einige von uns haben sich gefragt, warum man sich am Schluss trotzdem nicht anders fühlt als nach einem normalen Theaterabend.
«Einige von uns», so heißt das Projekt der Performancegruppe She She Pop – vor vielen Jahren gegründet von Studenten der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen – am Stuttgarter Schauspiel.
Es geht um Veränderung, es geht um Haltungen zur Kunst und der damit verbundenen Arbeit, und los geht es eigentlich ziemlich normal: im Zuschauerraum, wo sich die Zuschauer setzen – nur ohne Platzkarte. Der eiserne Vorhang dient als Projektionsfläche für ein Video, das auf den Abend einstimmt: Impressionen aus den Eingeweiden des Theaterbetriebs. Der Videofilmer Tobias Dusche hat Stillleben eingefangen, zum Teil fast unbewegte, aber hochästhetische Einstellungen, die er etwa in der Malerwerkstatt, im Kostümfundus, am Bühneneingang, in der Waschküche oder in der Schneiderei aufgenommen hat. Oft sind es nur Geräusche – das Rattern von Maschinen, Gesprächsfetzen –, manchmal einzelne Handgriffe – ein Hammer, der auf einen Amboss saust – oder automatisierte Abläufe – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Kristin Becker
Die Theaterzeitschrift
im 56. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Krämer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44...
Man sollte mal wieder Hannah Arendt lesen. Danke, Programmheft des Hamburger Schauspielhauses. In dem stehen zur Begleitung von Karin Henkels Dostojewski-Inszenierung «Schuld und Sühne» Auszüge aus einer Vorlesung, die sie 1965 in New York hielt: über die Notwendigkeit des Selbstgesprächs zur Konstituierung als Person. Nur wer mit dem Anderen in sich selbst...
Kurz vor unserem Treffen schickt Noah Haidle noch eine erkennungsdienstliche SMS: «Ich sitze draußen und versuche, möglichst unamerikanisch auszusehen.» Der sachdienliche Hinweis macht es tatsächlich unmöglich, am Treffpunkt etwa auf den falschen Hipster-Bart-Träger zuzusteuern: So viele begnadete Selbstironiker tummeln sich nicht im «Wohnzimmer» am Prenzlauer...
