Hochprozentig

Der Schauspieler Michael Degen hat den «Roman einer wahren Begegnung» mit dem Schauspielerkollegen Oskar Werner geschrieben

Theater heute - Logo

An irgendeinem Tag im Jahr 1983 findet der Schauspieler Michael Degen nach einer Vorstellung in der Garderobe des Theaters im liechtensteinischen Vaduz einen Zettel ohne Unterschrift. Man erwarte ihn im Foyer. In einer dunklen Ecke entdeckt er dort eine Gestalt und erkennt in ihr Oskar Werner, «den ich als mein Vorbild bezeichnet hätte – wäre ich unbescheidener gewesen». Werner lädt Degen in sein Haus in Triesen, «hinauf in meine Teixlburg», ein.

Zögerlich nimmt Degen an – als wüsste er schon, was ihn erwartet: Es wird eine Nacht werden, in der die Qual der Erinnerung die beiden Männer zu Duellanten macht. Eine Alkoholorgie, während der der eine sich offenbart als abgewrackter Künstler mit der gnadenlosen Lust, Illusionen zu zerstören, der andere als ernüchterter, schließlich abgestoßener Bewunderer einer Legende, die sich vor seinen Augen selbst demontiert und körperlich demoliert.

 

Oskar Werner am Ende seiner Karriere ist nur noch «ein ausgemergeltes Männchen mit den riesigen, ständig tränenden Augen», und während er sich den x-ten Fernet Branca einschenkt, lamentiert er über verlorene Zeiten: «Man muss mit der Vergangenheit sehr ordentlich umgehen, man muss sie durchforsten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Premieren im Juni · Hinweise · On Tour · Suchlauf

Aschaffenburg, Stadttheater

10. Sternheim, Der Snob

R. Jürgen Overhoff 

 

Augsburg, Theater

19. Achternbusch, Gust

R. Anton Koelbl und Tjark Bernau

 

Baden-Baden, Theater

19. Goldoni, Der Diener zweier Herren

R. Barry Goldman

 

Basel, Theater

16. Castellucci, The Parthenon Metopes

R. Romeo Castellucci

19. Aufbruch. Die letzten 48 Stunden

R. Petra Barcal


Berlin,...

Vorschau

Pläne der Redaktion

 

Wie funktioniert ein Apparat, der regelmäßig Kunst und Öffentlichkeit zur Verfügung stellt?
Und was bleibt von dieser Arbeit übrig? Diese und noch mehr Fragen stellen She She Pop bei ihrer Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart: «Einige von uns»

 

Auch das ist Brüssel: Christophe Slagmuylder leitet das Kunsten-festival des Arts, einst
gegrü...

Ich fühle, also bin ich

Unheimlich wirkt Budapest in diesen ersten Filmbildern. Die Kamera folgt einem jungen Mädchen auf seinem Fahrrad durch die menschenleeren Straßen, vorbei an einem Auto mit offenen Türen; die Warnleuchten blinken. Plötzlich biegt in einer ebenso großartigen wie beängstigenden Massenchoreografie eine gewaltige Hundemeute um die Ecke und hetzt hinter dem Mädchen her....