Ersatzleben Film

Carles Batlle «Versuchung»

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Die Welt ist voller Missverständnisse. Ein halbes Dutzend droht allein schon, wenn man nur erklären will, wovon Carles Batlles eigentlich ganz einfaches Drei-Personen-Stück «Versuchung» handelt. Es spielt in der Wohnung des jungen katalanischen Antiquitätenhändlers Guillem, der seinen Wohlstand durch Schiebergeschäfte mit illegalen Einwanderern aus Marokko finanziert – aber es ist kein Menschenrechtsdrama.

Bei Guillem arbeitet die junge Aixe, die ein Jahr zuvor aus Angst vor einer Zwangsheirat von zuhause geflohen ist und deren Vater Hassan nun plötzlich bei Guillem vor der Tür steht – aber es ist keine Anklage archaischer Traditionen. Hassan wiederum sucht zwar Aixe, vor allem aber Arbeit, und kommt nur deshalb zu Guillem, weil er ein Jugendfreund von dessen Vater aus der Zeit von Filmdreharbeiten in Marokko ist – aber es ist kein Stück über die wirtschaftliche und kulturelle Kluft zwischen den Kontinenten. Guillem hat sich entgegen seiner Grundsätze in Aixe verliebt und will für sie sein Leben ändern – aber es ist keine Telenovela. Hassan stürzt kurz nach dem Wiedersehen mit seiner Tochter vom geländerlosen Balkon in den Tod, und daran haben sowohl Guillem als auch Aixe Schuld, ...

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Theater heute Mai 2006
Rubrik: Chronik, Seite 37
von Andreas Jüttner

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