Cowboys letzter Geburtstag
Dieser Brick kann einem schon Leid tun. Gestern erst hat sich der Sportreporter den Knöchel gebrochen, heute muss er zum Geburtstag des Vaters antreten, zu dem die ganze Familie samt Pfarrer und Doktor geladen ist. Da stürzt, kurz vor Torte, Sekt und Ständchen, Gattin Maggie ins Gästezimmer.
Weil sie sich auf einen Schokokeks gesetzt hat und das kleine Rosafarbene aussieht wie eine frisch benutzte Baby-Windel, lässt sie gleich eine ganze Serie von Vorwürfen auf ihren Mann herab prasseln: Zu wenig Sex! Zu wenig Liebe! Wahrscheinlich demnächst auch noch zu wenig Geld! Und vor allem: keine Kinder! Sechzig Minuten weibliches Sperrfeuer später schenkt Brick sich den fünften Whisky ein.
Warum der Mann trinkt, ist nach dem ersten Akt jedenfalls sonnenklar. Schon bei Tennessee Williams hat Maggie, die Katze auf dem heißen Blechdach, schwer mit den eigenen Neurosen zu kämpfen – aber eben auch mit einer tragischen Konstellation und einem Brick, der womöglich ein lebenslang kreuzunglücklicher, weil unausgelebter Homosexueller ist. In Andrea Breths Wiener Inszenierung des von Richard Brooks berühmt verfilmten Ehe- und Familiendramas tilgt jedoch die drahtige Johanna Wokalek alle komplexeren ...
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