Zittau: Der Staub rieselt

Oliver Bukowski «Indianer» (U)

Theater heute - Logo

Schon im Foyer des Theaters begrüßt die Besucher Musik aus der guten alten FDJ-Zeit und setzt damit eine erste Duftmarke, was an diesem Abend, 25 Jahre nach der friedlichen Revolution, verhandelt wird: deutsch-deutsche Zeitgeschichte. Das war dem Theater Görlitz-Zittau sogar einen Schreibauftrag wert: «Indianer». Oliver Bukowski, der 1993 mit «Londn – LÄ – Lübbenau» das Ost-Gefühl direkt nach der Wiedervereinigung auf den Punkt brachte, knüpft vage an das damalige Szenario an, um eine Bilanz zur deutschen Einheit nach 25 Jahren zu schreiben. Und siehe da, es ist nicht alles gut.

Die blühenden Landschaften sind vor allem durch die erzwungene Renaturierung der Brachen entstanden. Und zu alledem singt es: «Unsere Heimat, das sind nicht nur die Dörfer und Wälder ...» Ostalgietheater also?

Das wäre zu kurz gegriffen, auch wenn die Aufführungsorte Zittau und Görlitz viel weiter östlich nicht liegen könnten. Lediglich am Anfang wird eine kabarettistische Abrechnung vorgelegt mit West-Konquistadoren und Treuhand-Abbruch. Katja Schreier bändigt im Domina-Kostüm die unterwürfigen Ossis Stephan Bestier und Paula Schrötter, und die erwähnten blühenden Landschaften landen mit Kreide auf dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2015
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Impressum

Impressum

Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 56. Jahrgang Gegründet

von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber:

Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion:

Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille (V.i.S.d.P.)

Mitarbeit:

Martin Kraemer

Gestaltung:

Christian Henjes

Designkonzept:

Ludwig Wendt Art Direction

Redaktionsanschrift:
Nestorst...

Die gute Gesellschaft

Ungerufen steht sie da, wie aus dem Boden gewachsen. Yvonne, die Burgunderprinzessin. Die Hässlichkeit in Person. Ein ferkelrosafarbenes Hängerchen wölbt sich über fassrundem Bauch. Aus dem mit weißer Spitze verkleideten Ausschnitt wächst ein kurzer Hals, darauf sitzt der kräftige Schädel von Gottfried Breitfuss. Unter seiner lächerlich blonden Pagenschnitt-Perücke...

Die Schamgrenze ist durchbrochen

Bernd Noack Herr Schulz, was ist hier in Dresden eigentlich los?
Wilfried Schulz Naja, das fragen wir uns natürlich selber im Moment. Es ist wirklich eine nur sehr schwer zu verstehende Bewegung, die zwar im Kern etwas mit Dresden zu tun hat, aber natürlich nicht ausschließlich mit Dresden. Ich komme gerade aus Düsseldorf, und da finden dieselben Dinge im kleineren...