All die guten
Das Ambiente erinnert ernüchternd und nur zart überhöht an die Räumlichkeiten, in denen nicht nur vielerorts beschäftigte Bühnenbildner (hier: Bettina Meyer) vermutlich ihre feudalen Nächte zu verbringen pflegen: In subtilem Braun und Kackgrün gemusterte Auslegeware zieht sich auch noch die halbhohen Wänden hoch, Furnierholz ummantelt die sittsam getrennten Bettstätten, die Minibar markiert das Zentrum und der sparsam verteilte türkise Farbakzent den Gipfel innovativer Inneneinrichtungskunst.
Im Foyer erfreuen eine Schuhputzmaschine, ein vollgerauchter Standaschenbecher, ein Zimmerfarn und drei Neonröhren; von dort geht es umstandslos auf den Parkplatz mit Müllcontainer.
Was nur hat Minna, die sächsische Tochter aus gutem Hause mit Zofe und Louis-Vuitton-Gepäck, in diese Vertreter-Absteige für geschleifte Spesenkonten verschlagen? In Lessings 1767 vollendetem Lustspiel, in dem die «Ibis»-Herberge noch «Zum König von Spanien» heißt, ist sie auf der Suche nach ihrem Verlobten, dem Major von Tellheim, den es nach Ende des Siebenjährigen Krieges ins preußische Machtzentrum Berlin getrieben hat, um Rehabilitierung zu finden: Als Folge einer edlen Tat im Kriege, die ihm die Liebe des ...
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Von außen sieht das Babelsberger Studiogelände aus wie eine Strumpfhosenfabrik. Nur dass vor den Werkstoren immer eine Traube pubertierender Autogrammjäger auf ihre Serienstars wartet. In den zwei klimatisierten Bürokomplexen der «Grundy Ufa» arbeiten 140 Mitarbeiter von Montag bis Freitag an der täglichen Fernsehserie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten». Die wenigsten...
Die junge Frau mit der roten Strickjacke stößt einen tiefen, wunden, würgenden Schrei aus. Es ist der Moment, in dem sie begreift, dass sie sterben wird: Nicht irgendwann später, wie jeder Mensch glaubt, nicht frühestens 99 Tage nach dem Gerichtsurteil, wie morgens Zellengenossin Else versprochen hat, sondern noch heute, gleich. So will es das Nazi-Regime, das an...
Kommissar Schneider ermittelt. Aber was klärt er auf? Nichts. Verwirrung, Dimensionsverschiebung ist das Ziel. Helge Schneiders Krimis sind keine Whodunits, sondern Dschungelbücher, semantische Irrgärten aus der zur Banalität befreiten Phantasie.
Hatte Helge Schneiders verwirrtes Musical «Mendy, das Wusical» noch so etwas wie eine Handlung, wenn auch keinen...
