Nachruf: Gott und Gärtner
Er war über 30 Jahre die stärkste Stimme der Schweizer Theaterkritik. Er liebte Auftritte, auch die eigenen. Zuletzt am Telefon war seine Stimme so schwach, dass es weh tat. Am Ende soll er nichts mehr gegessen, nichts getrunken haben und auf nichts mehr reagiert, auch nicht auf Musik. Gelernter Gärtner, Theaterkritiker, Feuilletonchef der «Basler Zeitung» von 1982 bis 1995, Buchautor, Initialzünder für das Zürcher Theaterspektakel, Motor einer Schweizer Theaterzeitung, Mann, Mensch, Macher: der Stumm.
Er schrieb so kritisch, dass eine Autofirma mit Annoncen-Boykott drohte.
Er war einer jener aufrechten Journalisten, die fristlos kündigen, wenn Artikel von der Chefredaktion zensiert werden. Nach einem solchen Krach verließ er seinen sicheren Posten als Feuilletonchef der «Basler Nachrichten» (1970–1974) und war lieber freier Mitarbeiter bei diversen führenden Zeitungen, dann Redaktor beim Zürcher «Tages-Anzeiger» und Reporter für dessen Magazin. 1982 wurde er Feuilletonchef der «Basler Zeitung».
Reinhardt Stumm wurde 1930 in Berlin geboren. Die Nationalsozialisten erschlichen, ergriffen die Macht. Die Mutter fand die Nazis schlichtweg dumm. Der Vater, promovierter Chemiker und ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Christine Richard
Ein glatter Typ, der sich auf den ersten Blick einordnen lässt, ist er sicherlich nicht – ein Hingucker aber in jedem Fall. Schwerer Junge mit hartem Kern oder doch eher Lausbub mit Flausen im wuscheligen Kindskopf? Dann aber auch wieder souverän und selbstbewusst, wie man es bei einem 24-Jährigen nicht ohne Weiteres erwarten würde. Seit 2015 gehört Marcel...
Au weia. Hat man so etwas nicht auch schon gesagt? Vom «blauen fleur de sel» geschwärmt, den Wein als «lecker» gepriesen, womöglich über die Vorzüge von Dinkel referiert? Über das Posing durch Postings auf sozialmedialen Kanälen gelästert, jemanden vorschnell des Antisemitismus verdächtigt, den womöglich einzigen Homosexuellen auf der Party ausdrücklich um seine...
Die beste Szene wird man als Foto nirgends sehen: Das Ensemble steht splitternackt vorm Publikum und fordert es zu Atemübungen auf. Es geht um dieses «Wir lieben uns alle»-Atmen: «Wir sind Europa und niemand sonst. Wir stehen zusammen, nichts kann uns zerstören.» Ironie entlarvt Esoterik als Flucht in die kollektive Verantwortungslosigkeit: «Du hast es dir...
