Im Tal (In the Valley)
Tja.
Hier bin ich.
Ich hab’s geschafft: Ich habe überlebt. Ich spreche. Ich bewege mich. Es ist großartig.
Es ist großartig zu sprechen.
Ich bin nicht mitfühlend.
Bringen wir es hinter uns: Legen wir es vor uns auf den Tisch – wie die Autoschlüssel. Nicht mitfühlend.
Aber Moment: Welche Autoschlüssel?
Welcher Tisch? Gute Frage.
Ich möchte Ihnen danken.
Ich möchte Ihnen für diese Gelegenheit
danken.
Ich möchte Ihnen danken.
Ich spreche, ich bewege mich, es ist großartig, vielleicht war es nicht ganz so großartig, aber jetzt ja, jetzt ist es wirklich großartig.
Das Licht hier ist großartig.
Wirklich gutes Licht.
Aber es gibt ein Problem – nicht mit dem Licht – mit dem Licht gibt es kein Problem – aber ein Problem gibt es trotzdem.
Oje, mein kleiner Junge starb an Krebs. Nicht wahr. Oje, es gab einen furchtbaren Unfall. Nicht wahr. Oje, ein schrecklicher Terroranschlag. Nicht wahr, nicht wahr. Großartiges Licht. Wirklich gut. Oh nein: Das kleine
Mädchen wurde vergewaltigt. Nein – nicht wahr. Nicht darum. Darum geht es nicht. Das ist nicht das Problem. Welches Problem?
Dazu komme ich später.
Ich bin hier. Ich hab’s geschafft. Ich spreche, ich bewege mich – aber sehr wenig. Mir
ist aufgefallen, wie ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Stücke des Jahres, Seite 84
von Martin Crimp
Liebe Redaktion,
Ich finde es schwer, einen Beitrag zu schreiben, der meine Bedürfnisse als Regisseurin formulieren soll, ohne direkt auf die bestehenden Arbeitsbedingungen an den Theatern einzugehen. Denn diese zu verändern, zu verbessern, sind meine Bedürfnisse! Also würde ich zwangsläufig über «zu feste Strukturen», «zu kurze Produktionszeiten», «zu strenge...
Gelandet in Kiew. Wie Nachhausekommen in eine unbekannte Stadt», verzeichnet mein Tagebuch am 23.6.2011 um 16.00 Uhr. Ich war mit dem Direktflug aus New York angereist. 14 Stunden economy class, der Atlantik und drei Viertel des Kontinents lagen hinter mir. Dann die Taxifahrt durch eine ausgedehnte Zone voll schmutziger Plattenbauten und haushoher Reklamen für...
Das Bedürfnis, in einen Raum treten zu können, der einen umfasst und umschließt. Eine Art Krankenzimmer, in dem man seine Wunde offenbaren kann.
* Dieser Vorgang des «Wundezeigens» ist wie eine Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit, und dabei erfährt man gleichzeitig Heilung.
* Ein Raum, in dem ein Ausnahmezustand herrscht, ein Ausnahmeraum, in dem wir...
