From outer space
Naomi und East haben schon länger über Nachwuchs nachgedacht. Doch der Säugling, der vor ihrer Tür abgestellt wurde, ist eine ziemliche Herausforderung. Noch keine Stunde alt, bittet er seine Wahleltern, ihn Christopher zu nennen, Augenblicke später befindet er sich mit unbändigem Wissensdurst in der Pubertät, schreibt Gedichte und löst mathematische Gleichungen. Nach kurzem Hochgefühl («Ach, ich bin so voller Dankbarkeit und Glück») erkennt er jedoch, «dass das Leben aus Enttäuschungen besteht [...
] man kann nur hier und da auf eine Stunde hoffen, die einen vergessen lässt, dass kein Sinn darin liegt». Denn Naomi und East streiten ständig – sie ist tablettenabhängig, er alkoholkrank – und sind im Trott ihrer alltäglichen Verrichtungen gefangen. Vom schöngeistigen Jugendlichen mutiert er zum monströsen Erwachsenen, schreit nach Heroin und vergewaltigt seine Eltern. Nach einer Überdosis ist er jedoch geläutert und stirbt nach knapp zwei Lebensstunden als Gott preisender alter Mann.
«The light gleams an instant, then it’s night once more» – Christophers Turboleben setzt Becketts auf den Punkt gebrachtes Menschheitsdilemma aus «Warten auf Godot» gnadenlos um. Schnell, flüssig und ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Natalie Bloch
Am Anfang des Anfangs tritt ein steinalter Rabbi an die Rampe im Schauspielhaus Basel und beerdigt die guten alten Zeiten. Der Bart wuchert fransig, die Stimme fistelt brüchig, und wenn ihm wieder eine Omi aus dem Pflegeheim in der Bronx weggestirbt, spürt der Rabbi, dass bald niemand mehr weiß, wie ein Schtetl von innen ausgesehen hat. Er hat Mühe mit «die...
Schon toll, so ein Leben als blonde und blauäugige Königin des Basars: Alexandra (Veronika Bachfischer), deutsche Frau eines Juden in Tel Aviv, schwärmt davon, wie die Händler sie dort hofiert haben. Dann aber ist das Leben in Israel plötzlich nicht mehr so toll: Alexandra wird schwanger und stellt fest, dass ihre Schwiegermutter (Hadas Kalderon) auf der...
Beginnen wir mit der Suche nach Veränderung. Revolutionen seien die Lokomotiven der Geschichte, meinte Karl Marx. Klingt nicht nach einem gemütlichen Betriebsausflug, weist aber eindeutig nach vorne ins Bessere. Wie sich der historische Antrieb der russischen Revolution für die freiwilligen wie unfreiwilligen Fahrgäste anfühlt, hat Andrej Platonov beschrieben: Eine...
