Frisch gestrichen!
Eigentlich ist das ja Etikettenschwindel: Da wird im Programmheft die Uraufführung der Frank-Günther-Übersetzung von «Heinrich V.» angekündigt, und dann lässt die Strichfassung davon außer den erzählerischen Passagen des Chorus fast nichts übrig. Reklamieren will man trotzdem nicht, denn das Ganze fügt sich bemerkenswert schlüssig ein in eine Aufführung, die beweist, wie man durchs Weglassen gewinnen kann.
In nur vier Stunden gelingt der Marsch durch nicht weniger als sechs Shakespeare-Stücke. «Königsdramen: Heinrich IVff.
» heißt das Mittelstück der derzeit am Badischen Staatstheater entstehenden Rosenkriege-Trilogie, und hier erledigt Oberspielleiter Donald Berkenhoff den ganzen Stoff zwischen den beiden (separat inszenierten) Richard-Dramen in einem Aufwasch. Zwar schrumpft dadurch die Lebens- und Figurenprallheit der Dramen stark zusammen, doch andererseits tritt das Leitmotiv von Machtgewinn und -verlust als (blut)roter Faden deutlich zutage. Und es gelingt sogar, diesen Mechanismus bloßzulegen, ohne die zentralen Figuren ihres Profils zu berauben.
So ist zum Beispiel Heinrich IV. (Stefan Viering) ein Patriarch alter Offiziersschule: Knorrig und knapp kommuniziert er mit seinem ...
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Ganz am Schluss heißt es plötzlich im Programmheft: «ja / ja / ja / ja / ja / jajaja / ja / ja / ja / ja / ja / ja / jaaa / mein Gott / ist das geil». Der Titel des Gedichts (bitte laut lesen): «Im Bett», der Autor: Rainald Goetz. Dass diese rundum begeisterten Zeilen der deutschen Popdichterikone, dass diese nackte Affirmation hinter Max Frisch, Sigmund Freud,...
Zu den wesentlichen Funktionen des Fernsehens gehört die Versorgung mit Vertrautheit. Ein Fernsehen, das ständig neue Figuren und neue Schauspieler aufbietet, wäre kaum auszuhalten. Anders als im Theater oder Kino ist das eigene Wohnzimmer der Ort, an dem man die Wiederkehr des Immergleichen nicht nur schätzen kann, sondern sie geradezu sucht. Dabei ist es egal, ob...
Die Mitglieder der «Symbionese Liberation Army» (SLA) fühlten sich wie Robin Hood. Ob der gute Mensch und Bogenschütze aus den Tiefen des Sherwood Forest allerdings Mitglied der US-amerikanischen Westküstengang hätte sein wollen, darf bezweifelt werden. Wir befinden uns in den siebziger Jahren. Man gab sich linksradikal, überfiel Banken und forderte Lebensmittel...
