E ist U und U ist E
Beim neuen ZDF-Kulturkanal, seit Anfang Mai digital auf Sendung (also nur für eine begrenzte Anzahl von Zuschauern überhaupt empfangbar), müsste die Ausstellung, die die Deutsche Kinemathek zu «Experimentelles Fernsehen der 60er und 70er Jahre» zusammengetragen hat, tiefe Neidgefühle auslösen. E und U, das der Kulturkanal als mannshohe Großbuchstaben programmatisch durchs Programm schwenkt, Kultur und Pop sind damals vor allem in den 3.
Programmen der ARD gelegentlich eine so unfassbar schwerelose Verbindung eingegangen, als sei der Traum vom Massenpublikum, dem man die Avantgarde zumuten kann, momentweise wahr geworden. Dabei hatte das intellektuelle bundesdeutsche Milieu zunächst mit Abwehr und Naserümpfen das neue Medium betrachtet, das Anfang der 60er begann, im großen Stil die Wohnzimmer zu erobern.
Es galt als verdummende «Einwegkommunikation»; Josef Beuys verklebte 1963 die Mattscheibe öffentlich mit Filz («FilzTV»), Wolf Vostell begrub in New York im selben Jahr eine Glotze, Enzensberger polemisierte gegen das «Nullmedium». Marshall McLuhan verfasste 1967 seine Analyse «The Medium is the Massage», dessen Titel einem Druckfehler entsprang, den McLuhan begeistert begrüßte. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2011
Rubrik: Magazin: Ausstellung, Seite 61
von Barbara Burckhardt
Eine dramatische Figur muss nicht unbedingt liebenswerte Züge haben. Aber Robert Keller in Reto Fingers «Haus am See» ist durch und durch unangenehm. Nicht böse – das wäre etwas ganz anderes –, nein, unangenehm. Ein Fabrikant, der seinen Bruder Max als Buchhalter knechtet; der seine Frau demütigt und seiner Schwägerin nachstellt; der eine schwangere Geliebte...
Sechs Hunde, sechs Menschen, da muss man stark sein, um nicht vor der vierbeinigen Authentizitäts-Offensive auf der Bühne zu kapitulieren und als menschlicher Akteur womöglich in der Herrchen/Frauchen-Rolle steckenzubleiben. Für echte Theatertiere kann die unmittelbare Konkurrenz aber auch Ansporn sein, Instinkt und Intellekt mit animalischer Selbstverständlichkeit...
Ghorban Moinzadeh ist Schauspieler. Er kommt aus dem Iran und hat dort, als es die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse noch erlaubten, sogar Brecht gespielt. Das ist lange, sehr lange her. Über 20 Jahre, die er nun schon in Bruchsal verbracht hat. Hier ist er nach seiner Flucht aus der Heimat auch wieder beim Theater gelandet, an der Badischen...
