Töne haben Ursachen. Immer.
Bei den beiden zentralen Produktionen der diesjährigen «Spielzeit Europa» musste man die zuständige Bühne innerhalb des Hauses der Berliner Festspiele ein bisschen suchen. Bei «Stifters Dinge (The Piano Piece)» von Heiner Goebbels musste man durch einen Nebeneingang eintreten, bei Alvis Hermanis «The Sound of Silence – ein Konzert von Simon & Garfunkel in Riga 1968, das nie stattgefunden hat» wurde man durch eine Fotoausstellung mit Rigaer Bohème-Szenen aus den Sechzigern über die Hinterbühne ins Theater geführt. Aber damit werden die Gemeinsamkeiten auch schon knapp.
Allenfalls noch dies: Hermanis’ Stück endet mit einem fürchterlichen Furioso auf dem Pianoforte. Paul Simon drischt, viel zu laut aufgedreht, die finalen Fortissimi aus «Bridge Over Troubled Water» über die karge Bühnenlandschaft, als könnte Kitsch durch Krach konterkariert werden. Und auch bei Heiner Goebbels spielt das Piano eine gewisse Rolle, wie schon der Untertitel andeutet.
Das Piano! Was ist ihm nicht alles angetan worden in den Jahren der Avantgarden und Neo-Avantgarden. Kaum eine Kunstbewegung kommt im zwanzigsten Jahrhundert ohne ihre Flügelzerstörungen und Klavierausdemfensterschmeißereien aus, kein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Vergleich zu den Nachbarstädten Mannheim und Heidelberg ist Ludwigshafen kulturelles Entwicklungsland. Man sollte im Prinzip also einverstanden sein, wenn der ortsansässige Chemiegigant kurz ins Portemonnaie greift und ein kleines Theaterfestival spendiert. Die «Festspiele Ludwigshafen», mit denen Hansgünther Heyme den ansonsten eher schmalen Gastspielbetrieb im...
«Wenn du bloß deine Eier leeren willst, sag nicht, dass du fürs Vaterland stirbst», staucht die junge Palästinenserin Imen den Nachbarssohn Amin zusammen, der einen israelischen Soldaten umgebracht hat und nun die Angst vor dem eigenen Tod mit dem Glauben an die 80 Jungfrauen im Märtyrerparadies niederringt. Vielleicht sind es Szenen wie diese, die Mohamed Kacimis...
Kurz nach Aufführungsbeginn flüstert mir Elke Heidenreich ins Ohr: «Ist genau wie beim Lesen. Nach zehn Minuten weiß man, ob ein Buch fesselt oder nicht.» Sie ist gefesselt. Schaut gebannt. Hört mit freudiger Aufmerksamkeit der Musik zu, die das Spiel begleitet, kontrapunktiert, steigert. Sie möchte ganz augenscheinlich am liebsten mit auf die Bühne.
Als wir uns...
