Bttina Kerl, Helmut Wiesinger, Michael Scherff und Tim Breyvogel; Foto: Alexi Pelekanos
St. Pölten: Die Tankstelle der Verdammten
Jetzt hat Árpád Schilling es amtlich: Er ist ein Staatsfeind. Im September 2017 hat der ungarische Parlamentsausschuss für nationale Sicherheit den Regisseur als «potenziellen Vorbereiter staatsfeindlicher Aktivitäten» bezeichnet. Vom Orbán-Ungarn zum Staatsfeind erklärt zu werden, ist für einen Künstler keine Beleidigung, eher im Gegenteil. Aber dass sich kein ungarisches Theater öffentlich mit ihm solidarisierte, hat Schilling dann doch beunruhigt. Wenn seine Kinder größer sind, will er das Land verlassen.
Anfang des Jahrtausends wurden die Inszenierungen von Schillings Gruppe Kretakör – darunter eine intime Kammerspielversion von Tschechows «Möwe» – europaweit gefeiert. Angesichts der Zustände in seiner Heimat aber geriet der Regisseur in eine Sinnkrise; 2008 löste er das Ensemble auf, aus Kretakör («Kreidekreis») wurde eine mobile Einsatzgruppe für Projekte, die der Regisseur wichtiger fand als feinziselierte Tschechow-Inszenierungen: Theaterworkshops in Schulen etwa, oder Lehrstücke. In den letzten Jahren hat Schilling begonnen, seine politischen Botschaften auch in well-made plays zu verpacken, die er gemeinsam mit der Autorin Éva Zabezsinszkij verfasst (das Konzept ...
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Theater heute Februar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Wolfgang Kralicek
Durch das Feld, durch den Wald, durch den Fluss. Isa ist aus einer psychiatrischen Einrichtung abgehauen, und jetzt irrt sie durch die Nacht, betäubt und befeuert von Pillen, die sie sporadisch einwirft. Begegnet einem taubstummen Kind. Erzählt dem die herzzerreißende Geschichte von einem in Spanien ausgesetzten Hund. Und tanzt glücklich auf Messers Schneide. «Ich...
Der Regisseur Dusan David Parizek hat dem Schauspieler Rainer Galke einmal ein Kompliment gemacht, das in den meisten anderen Berufen eine schwere Beleidigung wäre: «Rainer ist gar kein Schauspieler.» Natürlich ist Galke ein Schauspieler, ein außergewöhnlich guter sogar. Trotzdem sind ihm Eitelkeit oder Allüren fremd, und auch als Protagonist bleibt Galke ein...
Es war, man traut sich das heute kaum zu sagen, keineswegs alles immer gut an Frank Castorfs Berliner Volksbühne. Nehmen wir zum Beispiel die Volksbühnenbulette. Mit Schaudern erinnere ich mich an den Premierentag, an dem ich kurz vor Vorstellungsbeginn am Volksbühnenbüffett eine solche original Volksbühnenbulette verzehrte. Hellbraun war ihre Farbe, knusperzart...
