Simone Müller (Krönchen) und Ensemble; Foto: Luca Abbientol/Theater Weimar
Weimar: Unser Dorf hat Zukunft
Das zeitgenössische Dorf hat es nicht leicht auf dem deutschsprachigen Theater, wenn es denn überhaupt mal zu Worte kommt. Entweder erweist es sich als utopieresistent und dem gesellschaftlichen Fortschritt entgegenstehend, wie in den sozialistisch-realistischen Bestandsaufnahmen von Heiner Müller und Co., oder es erscheint als depperter, kleinbürgerlicher Sündenpfuhl wie bei Franz Xaver Kroetz und Geistesverwandten.
Juli Zeh kreuzt in ihrem Erfolgsroman «Unterleuten» gewissermaßen beide Linien und reichert sie an um eine Bestandsaufnahme zum bundesrepublikanischen Geisteszustand im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.
Auf über 600 Seiten erzählt sie vom fiktiven Dorf Unterleuten, irgendwo im Brandenburgischen. Nachwendeverletzungen treffen auf Neubürger aus Berlin, und natürlich darf auch ein westdeutscher Investor nicht fehlen. Lakonisch und den Zufall vor die Verschwörung stellend, erzählt Zeh multiperspektivisch von den Entwicklungen im Dorf, als die Windkraftfirma Vento-Direct den Plan vorstellt, auf zehn Hektar einen Windkraftpark zu errichten. Diese Ankündigung setzt ein komplexes Spiel von Intrigen und Machtspielchen in Gang, die das Dorf zerwühlen wie ein ...
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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 68
von Torben Ibs
Da der gemietete Supermarkt bei ihrer geilen Party verwüstet wurde, brauchen Amanda, Carlo, Lola und Vince dringend Geld. Die Lage verschärft sich, weil plötzlich Amandas todkranker Opa im Einkaufswagen liegt, der gepflegt werden muss. Die vier hippen Twentysomethings müssen also unternehmerisch ganz schön über sich hinauswachsen. Zuerst wollen sie das Sorgerecht...
In Zeiten wie diesen wäre sie eigentlich das perfekte Postergirl, diese französische Superheldin des späten Mittelalters: Jeanne d’Arc, die schwertschwingende Jungfrau von Orléans. Sie würde all den Weinsteins dieser Welt zeigen, wo die Harke hängt. Ihre Waffe wäre ein Twitteraccount. Ihr Hashtag: #MeToo oder #BalanceTonPorc. Ihre Botschaft: Zieht die Schwänze ein....
Neben einigen Missbrauchsgeschichten aus dem Universitäts- und Verlagsbereich kamen die beiden aufsehenerregendsten #metoo-Stories, die in den vergangenen Monaten in Ungarn publik wurden, aus dem Theaterbetrieb. Sie versetzten die Gesellschaft in einen Schockzustand.
Man kann die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen: Etwa, wie die offiziellen,...
