Rache-Engel
Für Literaten ist ein Engagement in Hollywood zumeist ein zweischneidiges Schwert. Viele Autoren können davon berichten, wie lukrativ das Schreiben für die Filmstudios ist, aber auch davon, wie folgenlos diese Arbeit meistens bleibt. Bret Easton Ellis prahlt in seinem neuen, autobiografisch angehauchten Roman «Lunar Park» damit, dass er lediglich ein paar Drehbuch-Anmerkungen machen muss, um ein großzügiges Honorar zu kassieren.
Und in ihren traurigen, kürzlich erschienenen Memoiren schildert Joan Didion, wie selten die Filme, an denen sie gearbeitet hat, auch wirklich in die Kinos kamen. Meistens sind die bekannten Autorennamen nur Vehikel, die das intellektuelle Prestige der Filme aufpeppen sollen. Das Drehbuch geht sowieso durch so viele Filmstudio-Hände, dass vom Einfluss des Autors kaum etwas übrig bleibt.
Tony Kushner allerdings, der zusammen mit Eric Roth das Drehbuch für Steven Spielbergs Blockbuster-Drama «München» geschrieben hat, beweist, dass dies nicht immer der Fall sein muss. Stattdessen hat er Spielberg zu seinem bisher anspruchsvollsten und besten Film überhaupt verholfen. Die Handschrift von Amerikas bekanntestem Dramatiker ist unverkennbar in den prägnanten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Stück Zucker genügt, um den Kleinbürger aus der Fassung zu bringen. «Ihr habt wieder Würfelzucker gekauft?», schimpft der alte Bessemjonow (Martin Schwab), kaum dass er die Szene betreten hat. «Würfelzucker wiegt mehr und ist nicht süß genug. Also ist es Unsinn, ihn zu kaufen.» Dabei hat der gute Mann weiß Gott auch andere Sorgen. Sohn Pjotr (Dietmar König) ist...
Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr?», will man mit dem lyrischen Goethe emphatisch ausrufen, wenn einem im Bochumer Schauspielhaus Herzfrequenz-Töne entgegenwummern. Im Dunkeln kauert vor einer hochragenden, alles beherrschenden Wand Antigone. Der Clou der von Tina Lanik inszenierten Sophokles-Tragödie (Übersetzung Walter Jens) ist die...
Für jeden Hotelmanager wäre es eine echte Herausforderung: Quadratmetergroße Wasserflecken auf den kahlen Wänden, die halbe Decke mit durchlöcherter Plastikverschalung hängt absturzgefährdet windschief, der Fußboden sieht aus wie nach einem mittleren Raketenangriff. Die Bruchbude ist keinen halben Stern mehr wert und muss nach gerade überstandenem Krieg dringend...
