Wo herrscht der Konsens

Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Wo liegt der unausgesprochene Konsens – und wo bröckelt er? Ein Gespräch mit dem Soziologen Heinz Bude

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TH Das Theater lebt von Konflikten. Dabei wird leicht übersehen, dass Konflikte nicht nur trennen, sondern auch verbinden: Man ist sich zumindest über das Problem einig. Wir wollen aber einen Schritt weitergehen und ganz direkt nach Konsens fragen.

Was ist der Konsens-Kitt in unserer hoch arbeitsteiligen, funktional differenzierten Gesellschaft, was hält 80 Millionen zunehmend individualisierte Menschen zusammen, die alle ganz stolz auf ihre persönlichen Freiheiten sind?
Heinz Bude Auf den Punkt gebracht, erleben wir gerade eine große Umstellung in der Idee des Zusammenhalts unserer Gesellschaft. Wir stellen nämlich im Augenblick um von Versprechen auf Drohungen. In der langen Nachkriegszeit, die im Grunde bis zur «unerhörten Begebenheit» der deutschen Einheit ging, war die Grundidee: Wenn du deine fünf Sinne beisammen hältst, dich anstrengst und die Lebenskrisen, in die du unweigerlich gerätst, einigermaßen meisterst, dann wirst du am Ende dort landen, wo du im Nachhinein sagen wirst, dass es in Ordnung geht. Nicht, dass man unbedingt da gelandet ist, wo man hin wollte, aber es passte im Großen und Ganzen. Natürlich sind einige weggekickt, vielen ist sogar erst sehr spät ...

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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Wo herrscht der Konsens, Seite 7
von Eva Behrendt/Franz Wille

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