Düsseldorf: Guillermo Caldéron «Der Kuss» (U)

Lob der Missverständnisse

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Die Tatsache, dass sich in arabischen Kriegsregionen Leute auch mal entspannt zum Fernsehen treffen, gehört nicht unbedingt zum Vorstellungs­repertoire westlicher Zeitungsleser. Es gehört ganz und gar nicht zum Bild, dass man sich gegenwärtig von Syrien macht – jener Region, die seit Anfang 2011 mit einem besonders brutalen Bürgerkrieg gepeinigt ist, deren Opfer die UN seit Januar 2014 nicht mal mehr zählt. Im Programmheft des Düsseldorfer Schauspielhauses geht man von 140.000 aus, Tendenz: täglich um 185 steigend.

Das Wohnzimmer auf der Bühne, irgendwo in Damaskus, ist ganz und gar nicht zerstört; in gediegener, intakter Well-made-play-Atmosphäre (Bühne und Kostüme: Anna Sophia Röpcke), zwischen Sofas, Couchtisch und Perserteppichen, finden sich nacheinander zwei Pärchen zum Soap-Gucken ein. Schon diese Verweigerung von erwartbarem Alltag in einer Kriegsregion macht das Stück «Der Kuss» des chilenischen Autors Guillermo Calderón, der nie in Syrien war und zwischen Santiago, New York und Düsseldorf jettet, sympathisch. Die schlimmen Zahlen werden eher nebenbei geliefert. Sein Auftragswerk ist weder wohlfeile Anklage noch unmöglich zu leistende Analyse des Syrienkriegs, sondern eine ...

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Theater heute Juni 2014
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Dorothea Marcus

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