Doras hermetische Welt
Natürlich ist ein behindertes Mädchen, das als Tor zur Welt gerade das «Ficken» entdeckt hat, eine Überforderung für ihre Umgebung. Vor allem, wenn sie sich weigert, die Pille zu nehmen. Das ist in Gießen auch nicht anders als in Basel, Stuttgart oder Hamburg. Solange Dora Psychopharmaka bekommt, thront sie stumpf auf einem Stapel Metallkoffer, stiert ins Leere und zieht ihren Kaugummi lang.
Auf Fragen antwortet sie nicht viel mehr als: «Weiß nicht!» Nur ihr Lied, von dem keiner weiß, wo sie es her hat, vermittelt eine Ahnung davon, dass sie ein zwar stillgestelltes, aber tiefes Wasser ist.
Doras Welt ist übersichtlich. Der Bühnenbildner Lukas Noll hat für die Inszenierung von Lukas Bärfuss’ «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern» am Gießener Stadttheater die Schauplätze tableauartig auf und vor die Drehbühne gruppiert und ebenso real wie minimal ausgestattet. «Zu Hause» steht Doras Bett mit Plüschfrosch und ein Bügelbrett, an dem der immer ernste Vater (Christian Lugerth) sich als Hausmann versucht; «im Hotel» noch ein Bett, größer diesmal, eine Spielwiese; «am Gemüsestand» Kisten mit echten Äpfeln, Chinakohl und Salat. Die stets aus dem Off angekündigten Szenenwechsel vollziehen ...
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