Zum Glühen bringen
Wo liegen die Grenzen der Kunst? Gibt es überhaupt etwas «außerhalb» von Kunst? Kunst ist frei. Ist sie vielleicht so frei, dass keine Definition sie erwischen kann? Um darüber nachzudenken, wann Kunst sich nicht mehr Kunst nennen darf, wäre ja vorerst tatsächlich zu klären: Was ist denn Kunst? Ich muss an meinen Patenonkel denken, der auf die Frage: «Was ist Tragik?», antwortete: «Weeßte, meene Kleene, bei die Fraje übakommt mich ümma son jewisset Unbehajen ...» – Ja, man ahnt bei der Frage das bevorstehende Scheitern, sollte man sich an einer Antwort versuchen.
Die Sehnsucht nach einer Formel für Kunst ist so gewaltig, dass sie zum Verzweifeln taugt; steht doch ein hungernder Kunstmarkt fingernagelkratzend vor der Tür auf der Suche nach bestem frischem Fleisch, erhoffen sich doch so viele Kreative, endlich etwas Relevantes hervorzubringen, um ihre bisherige Bedeutungslosigkeit für immer verblassen zu lassen. Es ist ein hartes Brot. Die Kunst. So viel ist sicher. Da ich auf meinem persönlichen künstlerischen Zweifelbrot lieber still und heimlich herumnage, werde ich nicht aus der erschaffenden, sondern aus der beobachtenden Position heraus versuchen, den verfluchten Begriff der ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 115
von Daniela Löffner
Die erste Entscheidung war die schwierigste: einem Stück den Titel «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1&2» zu geben. Als die Uraufführung näherrückte, kamen Anrufe von Journalisten, auch aus dem Ausland. «Rechnen Sie mit einem Skandal?» – «Nö.» – «Aber das wird doch sicher Wellen schlagen, gibt es schon Gegenwind?» Antwort: «Nö.»
CNN hatte sich zum Filmen angemeldet,...
Kein anderer Dramatiker lässt auf der Bühne so ekelhafte Grausamkeiten begehen wie der irischstämmige Martin McDonagh: Es wird gefoltert, was das Zeug hält, Körperteile werden abgeschnitten und Katzen erschossen. Nur erhängt wurde noch niemand – bis zu dem neuen Stück «Hangmen» («Die Henker»), geschrieben nach einer langen, viel zu langen Pause, die sich der Autor...
In alten Dramentheorien wurde die Frage gestellt, was im Zentrum steht, die Figur oder die Handlung. Es war die Zeit, als die Welt zumindest in Theatertexten noch in Ordnung war. Der Autor hatte ein Schauspiel geschrieben mit einem Titel, und im Text erfolgte zunächst das Verzeichnis der auftretenden Personen. Der gut informierte Zuschauer, der später eine...
