Ein Zwischenfall
Die Welt ist eine Scheibe und dreht sich unaufhörlich. Eine begrenzte, enge runde Fläche ist diese kleine russische Welt nurmehr, und an den Rändern fliegen die schönen Vergangenheiten, die unsichere Gegenwart und die Zukunft, vor der hier jeder Angst hat, vorbei. Draußen, da mag Moskau liegen, irgendwo Petersburg, da sind auch die ganzen einst ehrgeizigen Ideen und die Sehnsüchte geblieben, von denen nur noch schlecht geträumt wird.
Auf der Drehscheibe aber bedient man sich beim Ausverkauf der Illusionen und preist die eigenen Restposten von Charakterstärke und Lebens- wie Liebesmut wie abgestandenen Wodka an, der da auch reichlich gesoffen wird.
Das ist zunächst ein schön stimmiges Bild, das sich Andreas Kriegenburg für seine Inszenierung von Tschechows «Möwe» gebastelt hat: eine kreisrunde Tafel ohne Anfang und Ende, in der Mitte ein raffiniertes Holzgestell, das wie eine Wäschespinne die kleine Bühne überdacht, auf der Nina (Lisa Stiegler) die poetisch verschwurbelten Kopfgeburten von Konstantin (Mathis Reinhardt), ehrgeizig und ohne ein Wort davon zu verstehen, deklamieren wird. Derweil sind aber alle anderen dazu verdonnert, ihrem Platz und somit dem Sinn ihrer Existenz ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Chronik: Frankfurt/Main, Seite 64
von Bernd Noack
Zwei Performer an einem Tisch. Sie machen uns nichts vor. Ihre Rolle auf der Bühne beschränkt sich auf die von Technikern: Sie befestigen an quer durch den Raum verlaufenden Schnüren Tafeln, auf denen in fotorealistischem Stil gehaltene Bildausschnitte zu sehen sind, die sich ganz allmählich zu einem Vorhang zusammenfügen, zu einem Mosaik aus Momentaufnahmen. Die...
Mit seinem neuen Stück, einem Auftragswerk des Chemnitzer Theaters, knüpft Wyrypajew an die Konstellationen aus «Illusionen» (siehe TH 12/2011) an. Wieder stehen zwei Ehepaare, diesmal erfolgreiche Mittdreißiger, im Fokus und reflektieren über Leben, Wahrheit und die Fragen von Spiritualität, Religion und Glauben. Wyrypajews Ausgangpunkt ist eine Verschiebung von...
Mit dem Vater ging ich zum Flugtag auf der Vahrenwalder Heide, dem alten hannoverschen Flughafen. Vielleicht noch Ernst Udet, sicher aber die aus Hannover stammende Fliegerin Elly Beinhorn zeigten ihre Luft-Kunststücke. Mein Vater kaufte mir einen Luftballon samt einer dranzubindenden Karte, die er mit meiner Adresse versah. Denen, deren Karten am weitesten flogen...
