Der Terrorist in dir
Der Titel des neuen Stücks von Jonas Hassen Khemiri, «Ich rufe meine Brüder», ist doppeldeutig. Einerseits wendet sich Protagonist Amor – wie der Autor ein Schwede mit tunesischem Migrationshintergrund – zwischen den Szenen immer wieder direkt an seine «Brüder». Andererseits sind Amors Dialogpartner auf der Bühne zwar physisch anwesend, im Stück selbst aber nur per Handy mit ihm verbunden.
Das Telefondrama setzt unmittelbar nach der Explosion einer Autobombe in Stockholm ein – einen solchen Anschlag gab es 2010 tatsächlich – und umfasst nur ein paar Stunden.
Die äußere Handlung ist marginal: Amor fährt von seiner Wohnung in die Stadt, um in einem Einkaufszentrum einen kaputten Bohrkopf umzutauschen. Dabei hat er allerdings ständig sein Mobiltelefon am Ohr: fünf Szenen, fünf Telefonate. Mal ruft Amor seine Jugendfreundin Valeria an, in die er 20 Jahre lang einseitig verliebt war. Dann wieder hat er seine Oma am Apparat, obwohl die eigentlich schon tot ist.
Amor ist Student und ein netter, etwas verschrobener Typ. In der Schule etwa hat er seinen Freundinnen und Freunden chemische Elemente zugeordnet. «Camilla war Titan, weil sie so stark war, und Messer-Steve war Uran, weil er immer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2013
Rubrik: Neue Stücke, Seite 32
von Wolfgang Kralicek
Mit seinem neuen Stück, einem Auftragswerk des Chemnitzer Theaters, knüpft Wyrypajew an die Konstellationen aus «Illusionen» (siehe TH 12/2011) an. Wieder stehen zwei Ehepaare, diesmal erfolgreiche Mittdreißiger, im Fokus und reflektieren über Leben, Wahrheit und die Fragen von Spiritualität, Religion und Glauben. Wyrypajews Ausgangpunkt ist eine Verschiebung von...
Franca Rames letzter Blogeintrag (http://www.ilfattoquotidiano.it/blog/frame/) datiert vom 31. Januar 2013. Da geht es um Kindheit und Tod, um den Sohn Jacopo und das Geburtstagsfest, das sie am 18. Juli feiern wird, wenn sie die 84 erreicht. Vor allem aber ist es ein herzergreifender Liebesbrief an ihren Mann Dario Fo, «mein Ein und Alles». Sechzig Jahre waren die...
Vor knapp einem halben Jahrhundert wurde, so heißt es, unter Kurt Hübner in Bremen das Regietheater erfunden: Unter anderem 1966, mit Peter Zadeks Skandalinszenierung «Die Räuber», die Schillers Debüt nicht stürmend und drängend als Leidenschafts–überschuss deutete, sondern als bis ins Letzte ausgeleuchtete Bigger-than-life-Kolportage, für die Wilfried Minks ein...
