American Atlas
Ein Mann liegt im Sterben. Im 20. Stock eines anonymen Krankenhauses halten seine Tochter und ihr Ehemann Totenwache. Während ihr Mann (Bernd Hölscher) stur auf den Fernseher an der Zimmerdecke starrt, erklärt die Tochter (Christina Weiser), warum man dem Sterbenden ein wenig helfen solle. Ein schneller Tod wäre für alle Beteiligten das Beste, es gibt da eine Lebensversicherung. Und der unkontrolliert brabbelnde Alte (Jürgen Wink) würde ja sowieso nichts mehr von alledem mitbekommen.
Nicht wie seine Tochter für ihn betet, und auch nicht, wie seine ebenfalls nicht mehr ganz taufrische Frau (Karin Nennemann) ins Zimmer geeilt kommt und sich vor den erschrockenen Töchtern noch einmal zu ihm ins Bett legt – und ihn küsst.
Wie das Drehbuch zu einer neuen HBO-Fernsehserie liest sich Noah Haidles Text mit dem sperrigen Titel «Lucky Happiness Golden Express». Die Dialoge sind klar gesetzt, die Dramaturgie ist eine Abfolge von eindeutig verorteten Szenen, die Amerikaner arbeiten auf dem Theater mit einer Art von Realismus, die wir inzwischen nur noch aus dem Fernsehen kennen.
Wie für den Bildschirm erzählt auch der Kasseler Intendant Thomas Bockelmann den Text. Als die Eröffnungsszene im ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Alexander Kohlmann
Er war nicht mal siebzehn Jahre alt, als er in seiner rumänischen Heimatstadt Botosani im September 1981 mit Kreide einen Aufruf an die Mauer des Kulturhauses schrieb: «Bürger, es geht um Recht und Freiheit in unserer Gesellschaft.» Die Securitate nahm 40.000 Schriftproben, um Mugur Calinescu zu ermitteln. Zwei Jahre später erkrankte er an Leukämie, und dafür...
Nachdem in Schreibmaschinenschrift die Basis-Informationen zu diesem Aktenzeichen XY …ungelöst auf den eisernen Vorhang getippt worden sind, öffnet sich die Schleuse und gibt Einblick in ein verschollenes Archiv. Ein gigantischer Aktenschrank mit einer unendlichen Zahl von Schubladen reicht bis zur Bühnendecke und darüber hinaus. Gras und Schmutz fällt von oben...
Hell wird es nie auf Helsingör. Ein feiner Sprühregen senkt sich pausenlos auf das von unten bestrahlte kahle Gestrüpp, das den Herrschaftssitz des Hamlet-Clans einschließt wie die Dornenhecke das Dornröschen-Schloss. Wer den Palast Richtung Garten verlassen will, watet sogleich bis zum Knöchel im Schlamm. Wie in der dänischen Krimiserie «Forbrydelsen»...
