Eine deutsche Erfindung

Einfühlung in den Wutbürger.

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Nur der Deutsche kann den Wutbürger erfinden. Im Deutschunterricht nannte man so etwas ein Oxymoron: ein Wort aus zwei gegensätzlichen Begriffen. Aber der Deutsche kann eben nicht einfach wütend sein, ohne dabei Bürger zu bleiben. Wäre er, der deutsche Bürger, nur wütend und sonst nichts, drohte ein noch viel größeres Problem als das seiner Wut, nämlich der Verlust seiner Bürgerlichkeit. Diese wiederherzustellen wäre dann das einzige Bestreben des entbürgerten (eigentlich aber wütenden), tja, was eigentlich ...

Deutschen? Also verlöre der Deutsche mitsamt seiner Bürgerlichkeit auch seine Wut und seine Existenz, eigentlich sein Dasein und käme sich selbst abhanden. Keine Bürger, keine Deutschen, keine Wut! Oh je.

Sich mal an einen Baum ketten, ist schön

Aber: Gegen was ist er denn? Der deutsche Bürger. Der deutsche Bürger ist zum Beispiel gegen ein 15 Jahre altes Bahnhofsprojekt, das dem Bürger nicht (mehr) gefällt, eigentlich noch nie gefallen hat, aber irgendwie hat der Bürger erst jetzt festgestellt, dass er gegen den Bahnhof ist, weil: Es hat bisher dem Bürger gar niemand gesagt, dass und wie der Bahnhof gebaut werden soll, und das Wetter ist schön, und sich mal an einen Baum ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Philipp Löhle, Seite 10
von Philipp Löhle

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