Nach uns der Goldglanz
Verdienen wir überhaupt, glücklich zu sein?» Alexander, der wortkarge Typ vom Nachbargrundstück, hieß in Tschechows Originalversion der «Drei Schwestern» noch mit Nachnamen Werschinin, war russischer Offizier und bedauernswerter Gatte einer kranken Ehefrau, die er am Ende doch nicht mit den Kindern allein lassen wollte, obwohl ihm das Liebesglück für ein paar Monate in Gestalt der verheirateten Generalstochter Mascha vor der Nase baumelte.
Auch sein zeitgenössischer Wiedergänger Alexander hat in der «Drei Schwestern»-Fassung von Simon Stone das mögliche Glück erst vorsichtig bewundert, dann aber mutig angetestet, bevor er es mit der oben gestellten Frage zurückweist.
Als alle noch Kinder waren, haben die wohlhabenden Geschwister den Sohn des Automechanikers kaum beachtet – Jahre später können sie sich nicht mehr an ihn erinnern, als er mit blutender Hand plötzlich im Garten steht. Er sich aber sehr wohl an sie: Klar, die quirligen Teilzeitbewohner des exzentrischen Ferienhauses aus Glas und Holz – Lizzie Clachan hat die «frühe Hüttenarbeit» eines «berühmten Architekten» auf die Basler Drehbühne gebaut – dürften schon damals zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen sein, um ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt
Monotones, dumpfes Wummern, schier endloses, auf- und abschwellendes Gebrumm, bevor der Vorhang sich öffnet, soll die Zuschauer schon vorab in die Verzweiflung treiben, die in Iwanows Kopf dröhnt. Dann auf der Bühne, ein Zimmerfragment: Stuhl, Tisch, Heizkörper (wir sind im kalten Russland), Neonlicht. Ein Mann bewegungslos im knöchellangen schwarzen Wintermantel...
Noch vor dem geschlossenen Vorhang, hell ist er mit dunkler Rückseite, kniet sie vorn an der Rampe und knallt mit regelmäßig dumpfen Schlägen die Stirn auf den Boden. Antigone, dramatisches Urbild alles Widerständigen gegen die Staatsgewalt, hat aus heutiger Sicht durchaus Potenzial zu einer Kamikaze-Fundamentalistin – besessen von der Vorstellung, Recht zu haben,...
Neue Stücke
Was passiert, wenn der Bewohner einer fünfköpfigen Akademiker-WG sein Zimmer ein Jahr lang Geflüchteten zur Verfügung stellen will? Dann wird daraus eine deutsche Komödie: der potenzielle Bühnenblockbuster «Willkommen» von Lutz Hübner und Sarah Nemitz dekliniert die Konsequenzen dieser menschenfreundlichen Idee am Beispiel weiterer Menschenfreund*innen...
