Wenn weiße Hemden fliegen
Unter Elisabeth Schweeger ist das Frankfurter Schauspiel in den letzten Jahren ausgesprochen projektlustig geworden. Die Verpflichtung der französischen Choreografin und Theatermacherin Wanda Golonka als Hausregisseurin war dabei programmatisch, denn mit Golonka leistet sich Schweeger die konzertierte Abweichung. Normalen Spielbetrieb sucht man in ihren Installationen, Performances und Inszenierungen meist vergeblich.
Mehr noch als ihre jüngeren Kollegen, die sich in der Außenspielstätte Schmidtstraße austoben dürfen, befragt sie das Theater immer wieder nach seinen Mitteln, Möglichkeiten und Materialien. Und nach seinen Orten – wahrscheinlich kennt inzwischen kaum jemand die Räumlichkeiten des Schauspielhauses und den Grad ihrer Bespielbarkeit besser als Wanda Golonka. In dieser Spielzeit hat sich die Regisseurin für ihre experimentelle Aufführungsserie «EINLADEN» auf die andere Mainseite nach Sachsenhausen in ein kleines Ladengeschäft abgesetzt, um nun aber kurz vor Saisonende doch ins Haupthaus zurückzukehren und mit «Erzählung des Gleichgewichts 4.W» ein neues Projekt und eine neue Irritation zu präsentieren.
Auf den ersten Blick geht es dabei ganz konventionell zu: Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Marcel Proust hat einmal staunend über ein Hotel geschrieben, es sei eingerichtet gewesen «wie ein Theater», und «zahlreiche Komparserie» hätte es belebt. Im Erlanger Theater liegt der Fall genau anders herum: Da sieht man auf der Bühne einen Logierbetrieb, die Gäste im Parkett wirken wie voyeuristische Statisten, vor denen ein paar wild zusammengewürfelte Menschen...
Medea als Migrantin gab es in dieser Saison schon des öfteren zu sehen. Aber wohl nie so deutlich wie jetzt in Stuttgart. Da schließt Volker Lösch in bewährter Chor-Aktualisierungs-Manier ein Restgerippe von Euripides’ Dramentext mit den Lebensberichten von 16 Stuttgarterinnen aus türkischen Familien kurz. Der Anlass laut Programmheft: Stuttgart ist nach Frankfurt...
Zum Showdown kommt es vor dem allerletzten Akt. Die geladenen Gäste aus Alemanha sind da längst wieder in der Heimat gelandet, und sie haben dem theatralischen Ausflug in die allertiefste, allerheißeste Fremde ziemlich viel Echo verschafft. Erst jetzt, im zweiten Anlauf wenige Tage nach der auch schon leidlich umstrittenen Premiere von Christoph Schlingensiefs...
