Der Blitz auf der Schaukel

Peter Handkes «Die schönen Tage von Aranjuez» lässt vieles offen, und Luc Bondy fragt in Wien nicht nach. Von Franz Wille

Theater heute - Logo

Nach allem, was man von Schillers «Don Carlos» weiß, waren «die schönen Tage von Aranjuez», die zu Beginn des Dramas bekanntlich zu Ende sind, nicht besonders schön. Denn «Eure königliche Hoheit verlassen es nicht heiterer. Wir sind vergebens hier gewesen». Wer das sagt, ist übrigens nicht Prinz Carlos und auch nicht die von ihm geliebte Königin Elisabeth, sondern Domingo, der Beichtvater des Königs und ein ziemlich finsterer katholischer Strippenzieher.

Und was er mit den «schönen Tagen» eröffnen will, so wie man erstmal unverfänglich «gutes Wetter, heute» sagt, ist nichts anderes als ein Verhör. Gleich darauf wird er konkret: «Brechen Sie dies rätselhafte Schweigen, öffnen Sie Ihr Herz.» Was den so an- und ausgefragten Prinz zu ersten voltenreichen Windungen in einem windungs- und voltenreichen Stück veranlasst.

Man tut also sicher nicht falsch daran, Peter Handkes neues Stück «Die schönen Tage von Aranjuez» ein bisschen genauer und hintergründiger zu lesen, als es der erste Anschein nahelegt. Zumal es sich offenbar ebenfalls um ein Verhör handelt, allerdings um ein schon länger vereinbartes. «Wer macht den Anfang?», fragt der «Mann». «Du. So war es gedacht», antwortet die Frau. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 33
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Wege aus der Projektfalle

Theater heute Die Kulturstiftung des Bundes hat nach dem Förderprogramm «Heimspiel», das die deutschen Stadttheater zu Partizipations­projekten angeregt hat, und nach «Wanderlust», das internationale Partnerschaften unterstützte, jetzt das Programm «Doppelpass» ins Leben ge­rufen. Was haben sich denn die Wander-, Spiel- und Sportsfreunde der Stiftung da wieder...

Troja für Dummies

Der Trojanische Krieg dauerte zehn Jahre. Auch Matthias Hartmanns Inszenierung «Das Trojanische Pferd» hat Überlänge. Im Unterschied zu der Aufführung im Kasino des Burgtheaters kann man vom Trojanischen Krieg zwar nicht so genau sagen, ob er überhaupt stattgefunden hat. Aber die Griechen hatten wenigstens ein Motiv.

Das Kasino hat der Burgtheaterdirektor zu seiner...

Pläne für das Doppelheft / Impressum

Wenn Christoph Marthaler Horváths «Glaube Liebe Hoffnung» inszeniert, dann entfalten sich Liebe und Hoffnung in ihrer ganzen glaubensstarken Kraft: ein erotischer Höhepunkt der Wiener Festwochen.

Vor der Occupy-Bewegung erzittern bekanntlich Wall Street, Europäische Zentralbank und alle anderen Mächtigen der Welt. Jetzt muss Occupy zittern: vor Martin Heckmanns’...