Schneckenpost im Spargelfeld
Und Action! Ein neues Team entert ein Theater, und die ganze Stadt soll wissen, dass von jetzt an frischer Wind durch die Bretter pfeift. Holger Schultze, bisher Schauspieldirektor am Theater Augsburg, hat Erfahrung im Wachrütteln mittelgroßer Stadttheater aus dem Dornröschenschlaf. Seine Intendanz an den Städtischen Bühnen Osnabrück startet er an drei Tagen im September mit sage und schreibe zwölf Uraufführungen, die man sich auf drei Routen – durch die Stadt, den Hafen oder innerhalb des Theaters vom Ballettsaal unterm Dach bis zur Unterbühne – erst einmal erwandern muss.
Alle Sparten klotzen ran, was die Tarifverträge hergeben, manchmal sogar etwas darüber hinaus, und im Vorfeld wurde bereits die Einrichtung eines Kinder- und Jugendtheaters auf der Basis von langfristigen Spenden(!) aus der Bevölkerung auf den Weg gebracht. Doch dabei ist sich Schultze seiner Verantwortung gegenüber jungen Autoren, die ihm ihre kostbaren Uraufführungsrechte anvertrauen, durchaus bewusst. Trotz Termindruck wurde kein Stück mit lieblosen Sparinszenierungen verheizt, und alle Produktionen sollen auch weiterhin im Spielplan präsent bleiben.
Auf dem Platz vor dem Theater hat eine perfekt geschminkte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In «Lob der Blindheit», dem zentralen Text seines Buches «Rundfunk als Hörkunst», polemisierte der Film- und Radiotheoretiker Rudolf Arnheim schon 1936 gegen jenen «unausstehlichen Typ von Kunstgenießer», der ein Kunstwerk danach beurteilt, wie stark es seine «Fantasie» anrege. Man habe sich streng daran zu halten, was vom Künstler geboten werde, und keinesfalls...
Noch ist der Kampf nicht ausgefochten. Noch kann sich Anatolij Wassiljew, einer der herausragenden Erneuerer des russischen Theaters aus der inzwischen älteren Generation, nicht wirklich sicher sein, dass die von ihm initiierte, vom mächtigen Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow nachhaltig geförderte und darum lange Zeit schier unaufhaltsam expandierende «Schule...
Messer in Hennen» von David Harrower ist so ein Beispiel dafür, wie rasch und sanft sich bis vor kurzem noch als radikal, abgründig und umwälzend gehandelte Stücke in den Stadttheater-Spielplan einfügen. Griffig und assoziativ genug der Titel (bei «Shoppen und Ficken» aus der gleichen Entstehungszeit beispielsweise würde der Kulturausschuss schon hellhöriger...
