Streng und monströs
Zwischen Innen und Außen, Gefühl und Welt: ein Abgrund. Selbstwahrnehmung und Welterfassung klaffen auseinander. Kleists «Penthesilea» ist das Drama dieses Missverhältnisses. Das Dokument einer hypertrophen Triebbewegung, die sich absolut setzt, eine verzweifelt arrogante Feier der maßlosen Innerlichkeit. An solch strenger Monstrosität scheitern alle Bebilderungsversuche, alle Versuche der kritischen Klassikerinszenierung, wie wir sie seit den 70er Jahren kennen.
Der Amazonenstaat als feministische Utopie, das Griechenheer als Heldentrainingslager – so kann man Kleist nur lächerlich machen. Hans-Jürgen Syberberg und Edith Clever haben 1987 eine andere Richtung gezeigt: «Penthesilea» als Monodrama, als Solo für eine Sprecherin.
Diesen Weg der Reduktion, des Minimalismus, geht auch die Bochumer Inszenierung Lisa Nielebocks, aber mit analytischer Ironie, ohne priesterliche Attitüde. Mit ihrer vierten Inszenierung am Bochumer Schauspielhaus hat sie wieder die Dramatisierung eines antiken Stoffes ausgewählt. Von ihrem Ovid-Programm «Liebesbriefe» im Foyer der Kammerspiele, einer Dramatisierung der Heroides-Briefe, schwärmte selbst der Schweizerische Altphilologenverband. Nun ist sie ...
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Was ist das nur für ein allerliebstes Bühnchen, das Karl-Ernst Herrmann da auf die Bühne des BE gestellt hat, ehe Handkes neues Stück überhaupt losgeht! Wie eine Spielzeugschachtel steht das Bühnenmodell, sorgfältig ausgeleuchtet, nahe der Rampe. Es steckt voller Bäumchen, und eine Mini-Allee führt in seine Tiefe. Auch zwei Wanderer-Puppen sind darin zu erkennen....
Zu Hitler fällt mir nichts ein. Über das böse Wort von Karl Kraus gossen manche Moralisten ihre Häme aus, weil der Sprachpurist die richtige Setzung eines Kommas wortreich habe analysieren können, aber vor dem größten Thema seiner Zeit verstummt sei. Sie bekundeten damit nicht nur Unverständnis gegenüber der Ironie, sondern auch Ignoranz: Kraus erklärte 1934 in der...
Uff, dieser Weihnachtsrummel. Schwer bepackt kommt die hochschwangere Frau zum Treffpunkt im Restaurant, während ihr Mann schon mal am Whisky nippt. Erschöpft lässt sie sich nieder. «Ich liebe es», sagt sie und lächelt ihr sybillinisches Lächeln, das sie an diesem denkwürdigen Abend noch öfter lächeln wird. Sie hat ihr Handy nicht dabei; der Mann kann seines nicht...
