Ketzer werden verbrannt
So möchte eigentlich niemand sein: Irgendwo im biographischen Niemandsland zwischen fünfzig und siebzig, tortengeil, demnächst Wasser in den Beinen. Die eine der beiden reifen Freundinnen war wahrscheinlich einmal verheiratet und hat daran als deutlichste Erinnerung behalten, wie sie ihrem Mann die Zehennägel schneidet. Die andere hat sich lebenslang abends ihre Schnittchen alleine zurecht gemacht, pflegt Briefwechsel mit lebenslänglich Verurteilten und träumt vor dem Einschlafen davon, sich mit ihnen «im Glück zu wälzen».
Ein erfülltes Leben sieht anders aus, und Pia und Helen sehen das ähnlich. Deshalb haben die beiden Unglücksfreundinnen auch beschlossen, ihre irdische Existenz zu beenden und die Welt «von sich zu erlösen».
Zwei mittlere Durchschnittsmenschen allein zu zweit, zwischen sich und der Ewigkeit nichts als ihr Rededrang – etwas Besseres kann Theresia Walser für ihre dramatische Sendung nicht passieren. Mit Handlung ist ihren Figuren nicht gedient, dazu würde es Entschlüsse brauchen, Anfang und Ende, Sinn oder wenigstens Zweck. Aber wo soll man dergleichen hernehmen, wenn der Alltag ein Einerlei ist und man schon genug zu tun hat, das verschwommene Grau wenigstens ...
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Es wundert einen, dass die Leute immer noch ins Theater gehen, nach allem, was sie in der Schule durchgemacht haben.
Orson Welles
Finde ich mich in einem Theaterfoyer umringt von Menschen, die meine Kinder sein könnten, es gottlob nicht sind – hätte mein Kind auch so eine Plastikumhängetasche und würde sich unique fühlen? –, dann läuft etwas falsch. Ein Theater,...
Die Schotten dicht! Auch nicht «der Hauch eines Ereignisses» soll noch hereindringen in die Welt des Philosophen Ariel Chipman, der sich vom vernunftgläubigen Spinoza-Experten zum depressiven Schopenhauer-Jünger gewandelt hat. Die Weltverneinung auf den Fahnen, befindet sich Chipman im Schlitten auf der Fahrt in den Tod.
Draufgesetzt hat ihn Yasmina Reza – mit...
Ich war mal im berühmten «Kaffee Burger» in Berlin zu einem Leseabend von ungefähr vierzig jungen angesagten Literaten, die ich alle nicht kannte und die schwarz umrandete Brillen trugen und sogar während des Lesens sehr gekonnt rauchten. Das Publikum bestand aus circa 60 Zuhörern, die quasi auch alle schwarz umrandete Brillen trugen und eigene Manuskripte mit sich...
