Berlin: Halbe Wahrheit
«Don’t be evil» war einmal das Motto der Unternehmensgründer von Google: Sei nicht wie die «bösen» Internet-Konzerne, wisse um Richtig und Falsch, verzichte auf Top-Renditen, so die Richtung. Der Slogan entpuppte sich natürlich als frommer Wunsch. Denn ein bisschen böse, ein bisschen blind für Fake und Hate darf wohl sein, wenn’s nur zahlungskräftig vorgebracht wird.
Die Euphorie der Gründerjahre ist dahin, das Motto längst verabschiedet. Und Kay Voges’ Volksbühnenabend «Don’t be evil» wirkt wie der passende Abgesang.
Der scheidende Dortmunder Schauspielintendant und baldige Wiener Volkstheaterdirektor hat sich wie kaum jemand im Stadttheaterbereich um die Adaption von Netzphänomenen auf der Bühne verdient gemacht. Aber so pessimistisch wie an diesem Abend erlebte man ihn noch nicht. In einem Bühnenkubus (von Michael Sieberock-Serafimowitsch), der mit Videounterstützung von Voxi Bärenklau und Robi Voigt zum multifunktionalen Split-Screen hochgetunt ist, baut Voges den Newsfeed sozialer Medien nach.
Aus parallelen Videokacheln treten Frustrierte mit Anti-Greta-Thunberg-Rants, Islamhasser aus der amerikanischen Alt-Right-Szene und dergleichen freudloses Volk neben Karikaturen von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Christian Rakow
Die sprachliche Lieblingsformel von Philipp Ruch ist «Wir müssen». Über hundert Mal wird in dem schmalen Essaybüchlein «Schluss mit der Geduld» gemusst. Und immer geht es dabei ums Ganze. «Wir müssen Unversöhnlichkeit mit dem Feind lernen.» «Wir müssen das Territorium des Idealismus zurückgewinnen.» «Wir müssen uns für die Humanität entscheiden und notfalls für...
«Hi!» – «Hi!» Scheinwerferkegel im Zuschauerraum. Eine junge Frau of Color und ein nicht sehr alter weißer Mann tun so, als begegneten sie sich nach einer Theateraufführung zufällig im schon geleerten Zuschauerraum (natürlich ist das Schauspiel Hannover zur Premiere proppenvoll), trauen sich dann auf die Bühne und unterhalten sich über das gerade gesehene Stück. Er...
Figuren:
Clara, die Verlorene
Harald, ihr Ex-Mann
Svenja, seine Frau
Florentin, Claras und Haralds Sohn, 13 Jahre alt
Mutter, Claras Mutter
Vater, Claras Vater
Tante, Claras Tante, Schwester ihrer Mutter
Kevin, ein junger Mann
Der alte Wolf, ein älterer Mann
Die Frau mit dem krummen Rücken, Angestellte an der Tankstelle und dort auch Kneipenwirtin
Der Mann mit der...
